Full text: Die Geschichte der Saarländischen Kreditbank Aktiengesellschaft

zurück, die deutsche Ausfuhr ins Saargebiet hatte in mengenmäßiger Hinsicht 
ebenfalls einen Rückgang von 15 °/o, in wertmäßiger Hinsicht jedoch nur einen 
solchen um 2 °/o erlitten327. 
Bereits Ende 1930 begann das Ausland, zurückhaltend in der Kreditgewährung 
an Deutschland zu werden. Hinzu kamen noch die rein politischen Ursachen der 
internationalen Vertrauensstörungen, so zum Beispiel das deutsch-österreichische 
Zollunionsprojekt. Schließlich brachen im Mai 1931 in Österreich die Nöte offen 
aus, als die Oesterreichische Credit-Anstalt stützungsbedürftig wurde. Ende Mai 
begannen bei der Reichsbank die Devisenabzüge und die Fälle Karstadt, Nord¬ 
stern und vor allem Nordwolle verschärften die Lage328. 
Am 9. Juli verlangte der erste Geschäftsführer der Darmstädter und Nationalbank, 
Jakob Goldschmidt, „ganz dringend in eigener Angelegenheit seiner Bank“ den 
Reichskanzler aufsuchen zu können. Die Danatbank erklärte sich für illiquide329. 
Am gleichen Tag fand ein Besuch von Siegmund Bodenheimer von der Danat¬ 
bank bei Oscar Wassermann, Vorstandsmitglied und Sprecher der DD-Bank, statt. 
Bodenheimer erklärte offiziell, daß die Danatbank ihre Zahlungen nicht länger 
aufrechterhalten könnte. Als sich am Freitag, dem 10. Juli herausstellte, daß die 
Reise des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther nach Paris zwecks Beschaffung eines 
größeren Kredites für die Reichsbank ergebnislos verlief, die Reichsbank sich dar¬ 
aufhin entschloß, an dem 40prozentigen Deckungsprinzip festzuhalten, stand fest, 
daß die Notenbank in der entscheidenden Stunde sich versagen mußte, als letzte 
Liquiditätsgarantie der Banken zu fungieren330. 
In dieser Situation faßte die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft den Ent¬ 
schluß, der Danatbank auszuhelfen. Sie stellte am Freitag, dem 10. Juli, mit dem 
eigenen Akzept ausgestattetes Wechselmaterial der Danatbank zur Verfügung, und 
zwar in Höhe von 30 028 165,52 RM331. Die Berliner Großbanken vereinbarten 
danach, der Danatbank einen Betrag bis zu 250 Millionen RM in der Form zur 
Verfügung zu stellen, daß Finanzwechsel der Banken untereinander gezogen, von 
der Reichsbank diskontiert und so lange prolongiert würden, bis das Geld wieder 
zurückgeflossen sei. Alle diese Hilfsmaßnahmen sollten jedoch nur zur Ausfüh¬ 
rung kommen, wenn das Reich für diesen Betrag die Ausfallbürgschaft über¬ 
nehme. Als jedoch keine Einigung zustande kam, mußte die Danatbank ihre 
Schalter schließen. Dies löste den Run auf die Banken aus. Die Banken zahlten 
bis 11.30 Uhr voll aus, dann laut Beschluß der Stempelvereinigung332 nur bis zu 
20°/o. Die Sparkassen hatten sowieso nur 100 RM pro Kunde ausgezahlt333. Der 
14. und 15. Juli wurden daraufhin als zusätzliche Bankfeiertage verhängt. 
327 ASKB-DB-D-1, Bl. 278. 
328 Frankfurter Zeitung vom 23. August 1931, 1. Morgenblatt, K. E. Born, Die 
deutsche Bankenkrise 1931, S. 15 ff. 
329 F. S e i d e n z a h 1, Die Wechselhilfe der DD-Bank, S. 17—27. 
330 Ebd. S. 20. 
331 F. S e i d e n z a h 1, Die Wechselhilfe der DD-Bank, S. 20. 
332 Die Stempelvereinigung wurde 1900 als „Vereinigung von Berliner Banken und 
Bankiers“ gegründet. Ihr ursprünglicher Zweck war ein gemeinsames Vorgehen in 
Rechtsfragen der Stempelvereinigung (E. Achterberg u. K. Lanz, Enzyklopä¬ 
disches Lexikon). 
333 F. S e i d e n z a h 1, Die Wechselhilfe der DD-Bank, S. 22. 
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