Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

noch in Metz nachgefolgt zu sein scheint44, dürfte Gerhards Todesjahr wohl noch 
in den 20er Jahren des 11. Jahrhunderts liegen45. Sicher überliefert ist uns indes¬ 
sen, daß Graf Gerhard an einem 28. Dezember verstorben ist und seine Gemahlin 
Eva an einem 19. April verschied46. 
Gerhard und Eva hatten nur einen einzigen Sohn47, jenen Siegfried, der an seinen 
ihm 1017 zugefügten Kampfwunden gestorben ist. Aber auch eine Tochter scheint 
aus dieser Ehe hervorgegangen zu sein. Der Touler Kapuziner Benoit Picart 
überliefert uns nämlich den Inhalt einer Urkunde, nach der der Vater des Her¬ 
zogs Gerhard, Graf Gerhard, im Mai des Jahres 1038 eine Stiftung an das Klo¬ 
ster Remiremont „pour le repos des ames d’Adelbert et Juditte ses pere et mere“ 
vornahm, wobei die Remiremonter Äbtissin Berscinda als Graf Gerhards Base, 
„sa cousine“, hervortritt48. Sie darf damit wohl als Tochter des älteren Gerhard 
und seiner Gemahlin Eva betrachtet werden49. 
Indem wir noch Kaiser Konrads II. Vater, den Grafen Heinrich von Speyer, und 
dessen bekannte Vorfahren beachten, ergibt sich für diesen Überlieferungskomplex 
das folgende genealogische Schema: 
44 Vgl. oben S. 87. 
45 In Wipos Gesta Cuonradi (vgl. oben S. 87 bei Anm. 30) heißt es, daß Gerhard 
und sein Bruder Adalbert u. a. „selbst in der Sache ihres Verwandten, des Königs 
Konrad, kaum Ruhe gaben“. Eventuell darf man dies als Beleg dafür nehmen, daß 
Gerhard die Zeit um 1024/25 noch erreichte. 
46 G. Chevrier et M. Chaume, Chartes et documents de Saint-Bénigne II S. 63 
nr. 271: V. kal. ian. Girar dus comes, qui dedit nobis Godonis curtem; vgl. dazu 
oben Anm. 33 und 36. Da im gleichen Nekrolog auch Gerhards Bruder Adalbert 
verzeichnet ist (vgl. oben S. 82 Anm. 9) und zum 27. Juli eine Juditha comitissa, 
die man als Adalberts Gemahlin betrachten darf, vermerkt wurde, dürfte die unter 
dem 19. April eingetragene Eva comitissa die Gemahlin Gerhards von Metz gewesen 
sein. Zwei Abschriften dieses Nekrologs liegen in Paris: Bibi. Nat., Coll. Bourgogne 12 
und Ms. lat. 13872; Auszüge daraus sind gedruckt bei B. de Montfaucon, 
Bibliotheca bibliothecarum manuscriptorum II (1739) S. 1162 f. 
47 Vgl. Anm. 37, zum Namen Anm. 36. 
48 Père Benoît (Picart), Suplement à l’histoire de la maison de Lorraine (1707) 
S. 18 f. — Zu dieser Urkunde ausführlich E. Hlawitschka, Studien zur Äbtis¬ 
sinnenreihe von Remiremont S. 60 ff. 
49 H. Witte, Genealogische Untersuchungen zur Geschichte Lothringens und des 
Westrich, in: Jahrbuch d. Ges. f. lothring. Gesch. u. Altertumskunde 5,2 (1893) S. 57, 
führt eine Äbtissin Jutta von Kaufungen als Tochter Gerhards und Evas an. Er 
meint hierbei ganz offensichtlich aber die abbatissa Vota, filia sororis Chunigundis 
imperatricis, die erste Äbtissin von Kaufungen, die in den Kaufunger Urkunden und 
Nekrolognotizen sowie in der Vita Cunegundis wiederholt genannt wird, die aber 
nach den Nekrolognotizen die Tochter eines Dietmarus gewesen ist und keinesfalls 
von Gerhard und Eva abstammte; Quellen und Literatur hierzu bei C. W a m p a c h , 
Quellen- und Urkundenbuch I S. 325 f. nr. 232. — W. G i s i, Haduwig, Gemahlin 
Eppos von Nellenburg, in: Anzeiger f. Schweizer Geschichte (1885) Nr. 1, S. 350, 
versucht schließlich, die als consobrina Heinrichs II. gekennzeichnete Hadwig, die 
Eppo 1009 ehelichte, noch als Tochter Gerhards und Evas zu erweisen. Ihm folgt 
soeben K. Hils, Die Grafen von Nellenburg im 11. Jh. (1967) S. 18 und 67, ohne 
neue Argumente beizusteuern. 
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