Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

Einf, Schwester Ermentrud, nämlich die soeben öfter erwähnte Gemahlin des 
Pfalzgrafen Wigerich. Ja, zu einer ca. 908/909 geborenen Dame paßt dann 
gleichfalls ausgezeichnet, daß sie ca. 934 verheiratet ist und mit eigenen Kindern 
hervortritt. Ein weiteres kommt sichernd und bestätigend dazu: Frederuna, die 
916/17 verstorbene Gemahlin Karls d. Einfältigen und Mutter einer Ermentrude, 
war — wie verschiedene Anhaltspunkte ergeben — eine sehr nahe Verwandte 
Haganos, des bekannten Günstlings Karls d. Einfältigen75. Wenn nun aber gerade 
Hagano in einem offenbar um die Mitte des 10. Jahrhunderts von Ermentrud, 
der Gemahlin des Pfalzgrafen Gottfried, veranlaßten Familiengedenkeintrag mit¬ 
genannt wird76, dann kann es sich bei der Pfalzgrafengemahlin Ermentrud in 
der Tat nur um jene gleichnamige Tochter Karls d. Einfältigen und Frederunas 
handeln. 
Durch Ermentruds Herleitung von den Karolingern bleibt somit — zum Kern¬ 
problem, der Ermittlung der Geschwister in der Vorfahrenschaft Ottos und Ir- 
mingards von Hammerstein, zurückkehrend — nun nur noch die eine Möglich¬ 
keit, auf die wir schon bei der Betrachtung des Namens Gottfried stießen: daß 
nämlich Pfalzgraf Gottfried von dem Matfriedinger Gerhard und der Liudol- 
fingerin Uota abstammte und daß er als der Geschwisterteil der Gozlingemahlin 
Uda anzusehen ist. 
Man darf sonach wohl mit allem Recht Ottos und Irmingards von Hammerstein 
Abstammung und Verwandtschaft in der folgenden Weise rekonstruieren77, wobei 
75 Vgl. Recueil des actes de Charles III le Simple I (1940), ed. P h. L a u e r S. 202 ff. 
nr. 90 und S. 217 ff. nr. 95; dazu die Hinweise bei A. Eckel, Charles le Simple 
(1899) S. 99 und 107 Anm. 1. 
76 Vgl. unten S. 72 und 76. 
77 Die Darstellung der verwandtschaftlichen Verhältnisse Ottos und Irmingards von 
Hammerstein, die E. KI e b e I, im Anhang zu seinem Aufsatz Alemannischer Hoch¬ 
adel im Investiturstreit (in: Grundfragen der Alem. Geschichte; Vorträge und For¬ 
schungen, hrsg. v. Th. Mayer, Bd. 1, 1955, Tafel III nach S. 242) gibt, ist völlig 
falsch und irreführend, ja sogar K1 e b e 1 s eigenen, auf S. 229 f. gebotenen und 
auf Schenk zu Schweinsberg gestützten Darlegungen widersprechend. Der 
Pfalzgraf Gottfried (bzw. Herzog Gottfried der Vita Adelheids von Vilich) ist hier 
mit Graf Gottfried dem Gefangenen (von Verdun) identifiziert, die Verwandtschaft 
Ottos und Irmingards erscheint um eine Generation näher als die genealogische 
Notiz zur Seligenstädter Synode überliefert etc. Eine weitere kritische Betrachtung 
jener Aufstellungen kann somit wohl unterbleiben. — Den letzten Versuch, die 
Eltern des Pfalzgrafen Gottfried und des Erzbischofs Wigfried von Köln zu be¬ 
stimmen und somit auch unser Problem lösen zu helfen, hat jüngst S. Corsten, 
Rheinische Adelsherrschaft im ersten Jahrtausend, in: Rhein.Vjbl. 28 (1963) S. 113—130, 
unternommen. Er meint, den Erzbischof Hermann von Köln (888 — 924) nicht nur 
als Wigfrieds Vorgänger, sondern auch als dessen und Pfalzgraf Gottfrieds Vater 
ansehen zu dürfen. Sein methodischer Ausgangspunkt, gemäß welchem er Personen 
mit gleichem Namenssuffix (-gisel, -bald, -fried etc.) als Brüder oder andere nahe 
Verwandte auffassen zu dürfen glaubt, ist jedoch wissenschaftlich unhaltbar. Weitere 
Bemerkungen erübrigen sich somit. Eine knappe Übersicht über Corstens Auffassungen 
wird unten S. 134 f. gegeben. 
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