Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

ist die Herleitung Udas von den Liudolfingern vorzunehmen? Ein vorzüglicher 
Hinweis läßt sich einem Diplom Ottos I. vom 28. August 960 entnehmen, in dem 
dieser größeren Grundbesitz in und um Deventer im Hamaland und in Tongern 
erwähnt, den ihm Vda nostra nepta legitime hereditando permisitM. Acht Jahre 
vorher, am 30. Dezember 952, wurde von ihm lediglich in Deventer gelegener 
Besitz auf seine amita Vota zurückgeführt41. Dabei sind beide Urkunden Ottos 
— sowohl die vom Jahre 960 als auch jene vom Jahre 956 — gut überliefert, so 
daß an den beiden Verwandtschaftsbezeichnungen — hier nepta, dort amita — 
nicht zu deuteln ist42. Die Tante, amita, Ottos I. ist nun nicht unbekannt. Indem 
nämlich Regino von Prüm mitteilt, daß König Zwentibold von Lotharingien bei 
seiner Gattenwahl 897 einerseits auf Rat seines Vaters Arnulf von Kärnten ad 
Ottonem comitem missum dirigit, cuius filiam nomine Odam in coniugium expos- 
citi3, und andererseits König Zwentibold sich 898 zu einem Besuch in Essen auf¬ 
hält und in einer dabei ausgestellten Urkunde für das dortige, in späterer Zeit 
als ottonisches Hauskloster bekannte Stift44 coniunx nostra Oota nec non et vene- 
rabilis comes Otto intervenieren45 und schließlich Otto d. Gr. 947 gerade diesem 
Kloster Essen den ab avo nostro Ottone duce (= Otto der Erlauchte) gestifteten 
und Tochter des Sachsenherzogs Hermann (Billung), konstruieren; denn Oda, die 806 
geborene Großmutter König Heinrichs I., war ja die Tochter eines Grafen Billung, 
den die späteren Nachkommen des Herzogs Hermann (Billung) als ihren Vorfahren 
betrachteten. Doch ist jene Verbindung durchaus zweifelhaft (vgl. NDB 2, 1955, 
S. 240, sowie R. Bock, Die Billunger, Diss. Greifswald 1951, und H. J. Frey- 
tag, Die Herrschaft der Billunger in Sachsen, 1951. R. Holtzmann, Gesch. 
der sächsischen Kaiserzeit, 1941, S. 115, meinte immerhin noch, daß Heinrichs I. 
Großmutter, Oda, „einem Seitenzweig des Hauses Hermann Billungs angehörte“). 
Der Versuch, die consanguinitas Friedrichs von Verdun mit Kaiser Heinrich II. 
über Hermann (Billung) und seine Tochter Mathilde zu erklären, hat also nicht nur 
mit wesentlich entfernteren Verwandtschaftsgraden und der geringen Wahrscheinlich¬ 
keit, daß jene den Beteiligten über zwei Jahrhunderte hinweg bewußt blieben, zu 
rechnen; die ganze Verbindung selbst ist — da die Billunger sonst nicht als Ver¬ 
wandte der Ottonen auftreten — doch recht unwahrscheinlich. Zur Erklärung dieser 
Stelle Hugos von Flavigny hat F. Dieckmann, Die lothringischen Ahnen Gott¬ 
frieds von Bouillon (24. Bericht der städt. höheren Mädchenschule, Osnabrück 1904) 
S. 5, vorgeschlagen, die Verwandtschaft über Heinrichs II. Gemahlin Kunigunde her¬ 
zuleiten. Das widerspricht aber der klaren Quellenaussage. So bleibt eigentlich nur 
der von uns im folgenden gezeigte Weg zur Erklärung der angegebenen Verwandt¬ 
schaft. 
40 MG DD Otto I S. 299 nr. 216. 
41 MG DD Otto I S. 241 nr. 159. 
42 Die ältere Urkunde mit amita (952) ist im Original erhalten, das jüngere Stück mit 
nepta kennen wir aus zwei unabhängig voneinander überlieferten Abschriften. 
Beide Wortlaute sind also glänzend gesichert. 
43 Regino, Chron. ad 897, ed. F. Kurze, S. 145. 
44 Zur Gründung der Abtei Essen (852) und zur Verwandtschaft des Gründers, Bischof 
Altfried von Hildesheim, mit den Liudolfingern/Ottonen vgl. W. Zimmermann, 
Das Münster zu Essen (1956) S. 34 ff. 
45 MG DD Zwentibold S. 58 f. nr. 22. 
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