Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

Es handelt sich zweifellos um dieselbe eben erwähnte Gruppe, die auf der Rück¬ 
seite der Mönchsliste aus der Reichenau auf taucht. Und außerdem; es sind ohne 
Zweifel mit den Namen Uualdri(cus), Gozelm, Uuidricus, Hugo, Fredelint, Odilo, 
Fredelint, Unaltie, (— Uualterius), Berzacdis (= Berthacdis = Pertais), Arbaldus 
(= Erlebaldus), Udo Überschneidungen mit dem Schlußteil der Lizuidisreihe auf 
f. 57 r festzustellen. Um wen handelt es sich aber bei dieser Familiengruppe? 
Identifizierungsversuche werden mit dem Cozelmus episcopus zu beginnen haben. 
Im 10. Jahrhundert gibt es im nordalpinen Raum zwei Bischöfe namens Gauzelm 
(Koseform Gauzelin)29: 1) den Bischof Gauzlin von Toul (922—962), der durch 
sein Wirken im Zusammenhang mit der lothringischen Klosterreform besonders 
bekannt ist30 und auch das Kloster Bouxieres neu begründete, an das der oben 
behandelte Frambertus pro filiabus suis Emma et Thiedrada seine Schenkung vor¬ 
nahm; und 2) den Bischof Gauzelm/Gauzlin von Langres (922—931). Welcher 
von den beiden Bischöfen ist aber hier gemeint? Man könnte wegen der engen 
Beziehungen Framberts zu Bouxieres an den Neubegründer dieses Klosters Bischof 
Gauzlin von Toul denken, von dem man bislang nur weiß, daß er ex nobilissimo 
genere Francorum stammte31 und einen in der Meurthegegend mächtigen Bruder 
mit Namen Hardrad gehabt haben soll, was indessen nicht unbestritten geblieben 
ist32. Da aber der Name Hardrad in unseren Aufzählungen fehlt, spricht nicht 
viel für die Identifizierung mit dem Touler Bischof. Man muß seine Aufmerksam¬ 
keit dem Bischof Gauzlin von Langres zuwenden. Ist doch auch der auf der Rück¬ 
seite der in den 50er Jahren33 abgefaßten Reichenauer Liste stehende Gothselmus 
29 Der Bischof Gauzlin von Langres heißt z. B. in der Chronik v. St. Benigne in Dijon 
Gotzelinus, in der Chronik von Beze jedoch Gotselmus; vgl. Chronique de l’abbaye 
de Saint-Benigne de Dijon, suivie de la Chronique de Saint-Pierre de B^ze, 4d. 
E. Bougaud et J. Garnier (= Analecta Divionensia V, 1875) S. 122—125 
und S. 285. 
30 E. Sackur, Die Cluniacenser I (1892) S. 156 ff.; K. Hallinger, Gorze- 
Kluny I (1950) S. 60 ff.; E. Hlawitschka, Herzog Giselbert S. 438 f. 
31 Miracula S. Apri c. 30 (MG SS IV S. 519); davon abhängig Gesta episcop. Tullen- 
sium c. 31 (MG SS VIII S. 639); Miracula S. Mansueti (MG SS IV S. 510 f.). Vgl. 
auch B. M o r r e t, Stand und Herkunft der Bischöfe von Metz, Toul und Verdun 
im Mittelalter, Diss. Bonn 1911, S. 59. 
32 Schon A. Calmet, Histoire de Lorraine 1. Aufl. I S. 892 f., erhob gegen die in 
den Gesta episcop. Tüll, gegebene Gründungsgeschichte von Bouxieres, in der Hard¬ 
rad als Bruder des Bischofs eine maßgebliche Rolle spielt, wegen verschiedener 
chronologischer Unstimmigkeiten Bedenken. In der Tat waren Bischof Gauzlin von 
Toul und Bischof Dietrich von Metz, die als Amtsbrüder nebeneinander handelnd 
dargestellt werden, nicht zu gleicher Zeit tätig etc. So kann evtl, auch die Erwähnung 
Hardrads eine der Ausschmückung der Gründungslegende dienende Erfindung sein. 
In diesem Sinne Chr. Pfister, Histoire de Nancy I (1902) S. 37. 
33 F. Beyerle, Eine Reichenauer Konventsliste, in: ZGO NF 42 (1928) bes. 
S. 391 ff., hat sich mit dieser Reichenauer Liste bereits ausführlich beschäftigt. Er 
kam dabei zu dem Ergebnis, daß sie der Spätzeit des Abtes Alawich angehören muß. 
Ob sie freilich wirklich in das letzte Jahr Alawichs (958) zu setzen ist, mag dahin¬ 
gestellt sein. 
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