Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

Müller greift dabei auf die Forschungen Schenks zu Schweinsberg und E, Kimpens 
zurück. In diesen kam es ja immer wieder auf die Ermittlung der Söhne des 
Pfalzgrafen Gottfried an wie auch auf die Frage, ob die „Verduner Grafengruppe“ 
nicht doch mit den ihnen namentlich noch unbekannten Pfalzgrafensöhnen zu 
identifizieren ist195 196. Im Gegensatz zu diesen Vorgängern reiht nun Müller die 
„Verduner Grafengruppe“ eine Generation später ein und läßt diese von einem 
Sohn des Pfalzgrafen Gottfried abstammen. Ist aber diese Anordnung überzeu¬ 
gend? Nach allem, was wir über Rucuvin (= Richwin) und Liuthard, jene beiden 
Hauptpersonen der Verduner Gruppe, wissen, steht dem Versuch, sie als Enkel 
des Pfalzgrafen Gottfried aufzufassen, nichts Entscheidendes entgegen. Aber es 
ist andererseits doch mehr als auffällig, daß Bischof Wigfried von Verdun erst 
dadurch mit der Pfalzgrafenfamilie in Verbindung gelangt sein soll, daß seine 
Schwester einen Sohn des Pfalzgrafen Gottfried heiratete; wie wir bereits sahen100, 
hatte ja doch der Pfalzgraf Gottfried schon einen Bruder namens Wigfried: näm¬ 
lich den Erzbischof Wigfried von Köln. Der gleichnamige Verduner Bischof dürfte 
somit — wenn man das Argument der Namengebung in Rechnung setzt — enger 
mit der Pfalzgrafenfamilie verbunden gewesen sein, als es Müllers Schema zu¬ 
läßt197. Auch erscheint hier Liuthard als Kaiser Konrads II. Onkel, wobei die 
mehrfach bezeugte nepos-Angabe198 für dieses Verwandtschafts Verhältnis in einem 
etwas schiefen — freilich nicht unmöglichen199 — Licht erscheint. Aber sicher 
unrichtig ist, daß Liuthard, der Gemahl Emmehildes und Vater Manegauds, der 
Bruder des Grafen Richwin (Rucuvin) war. Der Richwin-Bruder Liuthard ist von 
dem Emmehildis-Gemahl Liuthard zu scheiden, wie früher gezeigt worden ist200. 
Die Auflösung der sobrinus-Angabe, mit der Wigfried von Verdun den älteren 
Liuthard bedachte, als „Schwestersohn“ und nicht als „Vetter“ ist wohl möglich, 
doch bei Betrachtung der Lebensdaten der beteiligten Personen weniger wahr¬ 
scheinlich. Gänzlich versagt aber diese Anordnung, sucht man in ihr Liuthard, 
Emmehildes Gemahl, als Ottonis imperatoris consanguineus, wie es die Vita 
Richards von S. Vanne bezeugt, zu erfassen201. Und schließlich ist auch der Pfalz¬ 
graf Wigerich, nicht Graf Richwin von Verdun, als Gemahl Kunigundes und 
195 Vgl. oben S. 125 — 129. 
196 Vgl. oben S. 56. 
197 Wigfried von Verdun läßt sich darin nicht als Nachkomme eines Bruders oder einer 
Schwester des Pfalzgrafen Gottfried ansetzen, weil dem ja die postulierte Verbin¬ 
dung einer Schwester Wigfrieds von Verdun mit einem Sohn des Pfalzgrafen, die 
ja sonst eine verbotene Nahehe gewesen wäre, entgegensteht. 
198 Vgl. oben S. 98 mit Anm. 82. 
199 Vgl. oben S. 46 f. 
200 Vgl. oben S. 100. — Die zu dieser Scheidung zwingende Urkunde — H. Beyer, 
Mittelrhein. Urkundenbuch I S. 312 nr. 255 — ist zwar von H. Müller heran¬ 
gezogen worden (S. 284), doch scheint er das ipso mortuo übersehen zu haben! 
201 MG SS XI S. 285. Wenn H. Müller, a. a. O. S. 287, zur Erklärung der Bluts¬ 
verwandtschaft Liuthards mit Kaiser Otto III. meint, der Konnex mit dem Ottonen- 
blut müsse, da ja die Herkunft Wigfrieds von Verdun aus Bayern bezeugt sei, in 
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