Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen

Graf Richard von Metz einfach als Sohn Eberhards vom Nordgau postuliert; ja, 
da wird die Mutter von Papst Leos IX. Mutter192 als eine Tochter jenes Richard 
von Metz und als Schwester der drei berühmten Geschwister Adelheid, Graf 
Gerhard von Metz und Graf Adalbert vom Saargau ausgegeben, ohne daß Quel¬ 
len oder zumindest plausible Argumente hierfür beigebracht werden können. Die 
Unwirklichkeit einer solchen Konstruktion ergibt sich schon aus der Reihe der 
verbotenen Nahehen, die hiernach geschlossen worden sein müßten. So z. B. müßte 
Richard von Metz, falls er — was Larose zu meinen scheint — ein Sohn der 
ersten Ehe Eberhards vom elsässischen Nordgau mit einer Schwester des Grafen 
Adalbert von Metz gewesen ist, seine Cousine ersten Grades (Verwandtschafts¬ 
verhältnis 2:2 kanonischer bzw. 4. Grades römischer Zählung) geheiratet haben, 
oder, falls er von Larose gar als Sohn aus Eberhards zweiter Ehe mit der Adal¬ 
bertwitwe Liutgard betrachtet werden sollte, sogar seine eigene Halbschwester in 
die Ehe geführt haben. Auch die Ehe der Eltern des Papstes Leo IX. müßte als 
illegitim gegolten haben: Hugo IV. und Heilwig wären, falls Laroses Anordnung 
stimmte, Verwandte im kanonischen Verhältnis 2:3 bzw. 5. römischen Grades 
gewesen! Hierauf gibt keine Quelle auch nur den geringsten Hinweis. Weiterhin 
ist die Verbindung von Kaiser Heinrich III. — durch seinen Vater Kaiser Kon- 
rad II. bzw. seine Großmutter Adelheid — zu dem Pfalzgrafen Gottfried, die 
durch die Vita Adelheidis von Vilich auf das beste gesichert ist, hier gänzlich 
vernachlässigt. Den einzig sicheren Anhaltspunkten ist hier also gar nicht einmal 
nachgegangen worden. Alles bleibt in bloßen, unverbindlichen Kombinationen 
stecken. Damit können Laroses Darlegungen keine weitere Beachtung verdienen193. 
Zuletzt hat H. MÜLLER in einer 1966 erschienenen Saarbrücker Dissertation die 
hier anstehenden Fragen berührt194, wobei es ihm freilich weniger um die Klärung 
der Herkunft des Hauses Lothringen bzw. um dessen Herleitung von den Metzer 
Grafen oder den „Etichonen“ des elsässischen Nordgaus ging; im Vordergrund 
steht der Versuch, die Verbindungen des Hauses Lothringen und diejenigen der 
Salier mit der „Verduner Grafengruppe“ deutlicher zu bestimmen. Er möchte die 
Zusammenhänge in folgender Weise sehen: 
192 Zu ihrem angeblichen Namen — Richardis — vgl. oben S. 106 Anm. 115. 
193 Larose widmet sich außer dem hier dargelegten Problemkern noch einer Reihe 
weiterer genealogischer Fragen, — so etwa der Herleitung Liutgards, der Gemahlin 
Adalberts von Metz und zweiter Ehefrau Eberhards vom elsässischen Nordgau, über 
ihren ca. 916 verstorbenen Vater Pfalzgraf Wigerich von dem etwa 910 verstor¬ 
benen Chaumontoisgrafen Hugo I., wie auch der Identifizierung und genealogischen 
Einordnung Ludwigs, des mütterlichen Großvaters Papst Leos IX. Aber auch hier¬ 
bei und bei der Rückführung der Chaumontoisgrafen auf die Nachkommen Pippins 
d. M. kann ihm nicht gefolgt werden, was hier freilich nicht zu begründen ist. Zur 
Bestimmung Ludwigs, des Großvaters Leos IX., vgl. oben S. 105 Anm. 114. 
194 H. Müller, Die wallonischen Dekanate des Erzbistums Trier (Diss. Saarbrücken), 
Marburg 1966 S. 286 ff. 
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