Full text: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen (4)

tisch ist mit jenem Grafen Liuthard, der kurz vor 973 Lockweiler um Baslieux 
bei Longwy vom Bischof Wigfried von Verdun eingetauscht hatte. Wenn nun 
aber der Graf Liuthard der Urkunde Wigfrieds von Verdun bereits vor 981 sine 
berede verstorben war, ein anderer Liuthard ca. 1004 das jenem älteren Liuthard 
973 noch gehörende Baslieux veräußern kann, dann spricht alle Wahrscheinlich¬ 
keit dafür, daß der jüngere Liuthard (von Longwy) der Sohn und Erbe eines 
Bruders des älteren Liuthard gewesen ist. Da von dessen drei oben behandelten 
Brüdern Wigfried Chorbischof von Trier und doch wohl unverheiratet gewesen 
ist, kann dieser jüngere Liuthard eigentlich nur ein Sohn Richwins oder des 972 
erschlagenen Grafen Richar gewesen sein. 
Das alles erlaubt — wenn man auf die Lebensspannen der Personen achtet und 
folglich auch der spezielleren und weniger gebräuchlichen sobrinus-Angabe gegen¬ 
über der stets allgemein wirkenden und vielfach für alle entfernteren Verwandten 
gebrauchten «epos-Bezeichnung* 94 im Verhältnis Bischof Wigfrieds von Verdun zu 
seinen gräflichen Verwandten den Vorzug einräumt95 96 — folgende Zusammen¬ 
stellung: 
X 
Reginold Werner Richwin Richar Liuthard Wigfried Wigfried 
+ 973/Ende + 973/Ende + 972 4- vor 981 ChorbisA. Bischof 
v. Trier v. Verdun 
967—975 959—984 
Godila Godizo Liuthard v. Longwy 
GD Liuthar GD Emmehilde 
u. a. Werner Töchter9® Manegaud 
94 Vgl. oben S. 48 mit Anm, 6. Zur Verwendung der nepos-BezeiAnung an Stelle von 
consobrinus vgl. auch H. B o 11 n o w , Die Grafen von Werl, Diss. Greifswald 1930, 
S. 88. — Die klassisch-antike Grundbedeutung von consobrinus ist zwar „Neffe/ 
Schwestersohn“, doch steht consobrinus in mittelalterlichen Quellen vorwiegend in 
der Bedeutung von „Vetter“. Das zeigt auch ein Blick auf die oben S. 97 heran¬ 
gezogene Thietmarstelle über Godila. Daß Wigfried von Verdun nicht der „Schwe¬ 
stersohn“ einer Dame gewesen sein kann, zu deren Ehe er seine Zustimmung gibt 
und die beim Eheabschluß selbst erst 12 Jahre alt war, ist evident. Bischof Wigfried 
war allenfalls Godilas Onkel, sie also Wigfrieds Nichte, falls man die Vetter/Cousine- 
Lösung nicht befürworten will. 
95 Zu der Möglichkeit, Bischof Wigfried von Verdun als Onkel der behandelten Grafen¬ 
gruppe aufzufassen, vgl. auch unten S. 146 Anm. 252. 
96 Zu dieser Nachkommenschaft vgl. F. W. O e d i g e r, Die ältesten Urkunden des 
Stiftes Rees; in: Annalen des Hist. Vereins f. d. Niederrhein 148 (1949) S. 26. 
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