Full text: Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920 - 1935

zeiverwaltung des Saargebietes vom 6. August 1926 den Antrag auf Geneh¬ 
migung der NSDAP abschlägig und verlangte die Auflösung der Partei8. 
Am 4. Dezember 1926 dagegen wurde ein weiterer Antrag der National¬ 
sozialisten des Saargebietes positiv von der Regierungskommission beant¬ 
wortet9, und Adolf Hitler genehmigte die Bildung eines Gaues Saargebiet 
der NSDAP vom 1. Januar 192710 ab. Saarbrücken wurde der Mittelpunkt 
der Arbeit im Saargebiet; hier wurde eine Geschäftsstelle errichtet11, und 
erster Gauleiter wurde der Saarländer Jakob Jung, der sich aber später 
ganz von der Parteiarbeit zurückzog12. 1927 wurden noch einige weitere 
Ortsgruppeni gegründet, z. B. in Überherrn, Merchweiler, Fraulautern und 
Differten13. Der NSDAP gelang es aber in den folgenden Jahren nicht, über 
bedeutungslose Anfänge hinauszukommen. Traten die Partei oder die SA 
mit Veranstaltungen in Erscheinung, so mußten die Mitglieder aus dem 
ganzen Saargebiet herbeigeholt werden14. Ein Propagandamarsch der SA 
des gesamten Saargebietes im Dezember 1928 wurde mit 50 Mann durch¬ 
geführt15. Die wachsende Tätigkeit nationalsozialistischer und paramilitäri¬ 
scher Gruppen wie der Kommunisten veranlaßte die Regierungskommission 
1928 zum Eingreifen. Sie legte dem Landesrat einen Verordnungsentwurf 
zum Verbot militärischer Übungen vor. Alle Parteien, mit Ausnahme der 
Kommunisten, nahmen in der Sitzung vom 1. August 1928 grundsätzlich 
gegen diese Gruppen und Verbände Stellung, sie seien politisch nicht not¬ 
wendig und nur geeignet, Unruhe zu stiften16. Der Sprecher der Sozial¬ 
demokratischen Partei gab in diesem Zusammenhang einen Überblick über 
die Größe der Rechtsverbände an der Saar; er sprach von 1000 Anhängern 
des Stahlhelm in Saarbrücken und 2500 im gesamten Saargebiet, von 100 
Werwolfmitgliedern und 100 Leuten der „Hitlerbande“17. Die SA war also 
auch noch innerhalb dieser Gruppen relativ bedeutungslos. Alle Parteien 
lehnten aber, obwohl sie den Standpunkt der Regierungskommission über 
die militärischen Übungen teilten, den Verordnungsentwurf ab18; die Kom¬ 
munisten aus Angst vor dem Verbot des Rotfrontkämpferbundes19, die 
anderen Parteien, weil es gelte, die im Saargebiet erkämpfte Freiheit zu 
wahren; die bestehenden Gesetze und die Polizei reichten aus, um der Aus¬ 
schreitungen Herr zu werden20. Man wollte im Grunde keine Einmischung 
der Regierungskommission in das politische Leben der Saar, und jedem Ver¬ 
8 Ebenda, W. Jung an NSDAP-München am 29. 9. 1926. 
9 Ebenda, W. Jung an NSDAP-München am 15. 12. 1926. 
10 Ebenda, Aktennotiz auf Antrag Jung v. 4. 1. 1926. 
11 Speicher — Buchleitner, a. a. O., SS. 30, 32, 36, 39. 
12 A.A. II Bes. Geb., Saargebiet, Pol. Parteien, Bd. 4, e. o. II SG 1740; außerdem K. 
Bartz, Weltgeschichte an d. Saar, Neustadt a. d. Hdt. 1935, S. 21. 
11 Speicher — Buchleitner, a. a. O., SS. 30, 32, 36, 39. 
14 Ebenda, S. 35ff.; Bartz, a. a. O., S. 21; Volksstimme Nr. 75 v. 28. 3. 1927 „Hitler¬ 
buben in Saarbrücken“. 
15 Speicher — Buchleitner, a. a. O., S. 36 
16 Landesrat d. Saargeb., Sten. Ber. v. 1. 8. 1928, S. 214. 
17 Ebenda, S. 229 f. 
18 Ebenda, S. 236. 
19 Ebenda, S. 215. 
20 Ebenda, S. 228 u. 235. 
252
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.