Full text: Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920 - 1935

Zentrumspartei betonte das in besonders eindrucksvoller Weise, und Bischof 
Bornewasser schloß seine Rede mit den Worten: 
„Treue um Treue! Euer Bischof von Trier hat den Schwur geleistet, Euch treu zu 
bleiben, und der Treue der katholischen Saarländer zum Bischof von Trier ist er 
gewiß!“53 
Der Katholikentag wurde in der Saarbrücker Zeitung vor allem unter dem 
Gesichtspunkt eines nationalen Treuebekenntnisses behandelt und rief in 
der französischen Presse große Erregung hervor54. Auch im Vatikan ent¬ 
stand durch die Pressereaktionen die Sorge, daß es sich stärker um eine 
politische, denn eine religiöse Veranstaltung gehandelt habe55. Ausführliche 
Berichte aus Saarbrücken und Trier56, die dartun konnten, daß in den zahl¬ 
reichen Vorträgen des Katholikentages religiöse Fragen aus den verschieden¬ 
sten Lebensbereichen behandelt worden waren, riefen die volle Zufrieden¬ 
heit des Papstes hervor57. In den folgenden Jahren bis 1935 wurden immer 
wieder Treuebekenntnisse zu Deutschland verbunden mit Treuebekennt¬ 
nissen zu den Bischöfen von Trier und Speyer. In den Zentrumsversamm¬ 
lungen und der Zentrumspresse kam man oft auf den Bistumskampf zu¬ 
rück58, alle kirchlichen Tagungen erhielten auch einen nationalen Charakter. 
Die Veranstaltungen der katholischen Vereine schlossen häufig mit Tele¬ 
grammen an die Bischöfe von Trier und Speyer und an leitende Persönlich¬ 
keiten des Deutschen Reiches59. 
Auch in der Auseinandersetzung um die Schulfrage erhielt die nationale 
Politik der Zentrumspartei Züge, die von ihren weltanschaulichen Auffas¬ 
sungen geprägt wurden. Während die Parteien gemeinsam aus nationalen 
Gründen gegen die Domanialschule kämpften, erblickten die Zentrumspartei 
und die Geistlichkeit in den französischen Grubenschulen überdies die lai¬ 
zistische Schule. Man beobachtete die Entwicklung des Schulwesens in Loth¬ 
53 Ebenda und S.2. Nr. 128 v. 4. 6. 1923. 
54 Journal d’Alsace-Lorraine v. 6. 6. 1923 „Les menees franco-phobes du clerge allemand 
dans la Sarre“; S.L.Z. Nr. 99 v. 27. 4. 1924 „Die Treibereien des deutschen Klerus im 
Rheinland und im Saargebiet“; Nr. 161 v. 22. 6. 1923 „Noch ein französischer Nach¬ 
klang zum Katholikentag“; Nr. 158 v. 19. 6. 1923 „Deutsche Kundgebungen im Saar¬ 
gebiet“. Alle Artikel befassen sich mit französischen Pressereaktionen. 
55 Bistumsarchiv Trier, Abt. 59, Nr. 64, fol. 11: Originalschreiben von Nuntius Pacelli 
an Bischof Bornewasser, daß der Kardinalstaatssekretär „sichere und detaillierte In¬ 
formation über die als mehr oder weniger politisch angegebenen bei dieser Gelegen¬ 
heit stattgehabten Manifestationen“ wünscht. 
56 Ebenda: Abt. 59, Nr. 64, fol. 4 u. 8. 
57 Ebenda: fol. 17, vertrauliches Originalschreiben des Nuntius Pacelli an Bischof Borne¬ 
wasser v. 4. 10. 1923, in dem dieser ausführte, der Kardinalstaatssekretär habe ihn 
beauftragt, dem Bischof mitzuteilen, der Hl. Vater habe den Bericht über den Ka¬ 
tholikentag gehört und sei erfreut über den Erfolg der religiös so bedeutungsvollen 
Veranstaltung. 
58 Neben den bereits zitierten Artikeln in der S.L.Z. auch: Saar-Zeitung Nr. 242 v. 
29. 10. 1924 „Eine bedeutsame Zentrumsversammlung“; S.L.Z. Nr. 279 v. 28. 10. 1924 
„Große Zentrumsversammlung in Alt-Saarbrücken“; S.L.Z. Nr. 319 v. 22. 11. 1925 
„Zur Frage der kirchlichen Gestaltung des Saargebietes“ v. Pfarrer Bungarten. 
59 Dankschreiben Hindenburgs v. 19. 11. 1931, 14. 10. 1932 u. 11. 5. 1933 an Frau Steeg¬ 
mann für die Treuegelöbnisse der Arbeitsgemeinschaft kath. Frauen und Jungfrauen 
des Saargebiets hat Frau Steegmann d. Verf. zur Verfügung gestellt, ebenso Dank¬ 
schreiben des Bischofs v. Speyer v. 29. 10. 1927 u. 14. 12. 1933. 
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