Full text: Parteien und Politik im Saargebiet unter dem Völkerbundsregime 1920 - 1935

Hilfe zur Untersuchung der inneren Verhältnisse des Saargebiets dar, wenn 
sie auch zum Teil unter dem Eindruck der politischen Tagesfragen nicht zu 
einer sachlichen Auswertung des zusammengestellten Materials gelangten. 
Daneben gibt es eine Reihe von Veröffentlichungen von französischer und 
von deutscher Seite, denen primär die Aufgabe der Unterstützung des deut¬ 
schen bzw. des französischen Standpunkts in der Saarpolitik zugedacht war6. 
In ihnen ist die Tendenz, unter der fast alle Saararbeiten leiden, primär die 
außenpolitischen oder nationalpolitischen Aspekte aller Fragen darzustellen 
bzw. in den einzelnen Sachgebieten nur jene Probleme zu sehen, die zum 
Streitobjekt zwischen der Regierungskommission und der Bevölkerung ge¬ 
worden waren, besonders ausgeprägt. Bei notwendig kritischer Einstellung 
in der Benutzung dieser Werke bieten sie jedoch für eine historische Unter¬ 
suchung, die politische Vorstellungen und politische Bewußtseinsbildung in 
dem Zeitraum zwischen 1920 und 1935 erfassen will, eine unschätzbare 
Hilfe. Sie spiegeln deutlich Denken und Ziele der verschiedenen Gruppen im 
Kampf um die Saar. Eine besondere Stellung nimmt die englische Saarlitera¬ 
tur ein7. Sie ist distanzierter, berücksichtigt auch die Probleme der innen¬ 
politischen Entwicklung und zeichnet sich durch eine beachtliche Vertrautheit 
mit saarländischen Verhältnissen und Vorstellungen aus. Die umfangreichste 
Publikation über die Saarabstimmung ist das Buch von Sarah Wambaugh8, 
Mitarbeiterin des Völkerbundssekretariats und Mitglied der Abstimmungs¬ 
kommission für das Saargebiet. Sie gibt zwar auch einen Überblick über die 
Entwicklung der Saarfrage von 1919 bis 1933, aber ihr Hauptanliegen ist 
die Darstellung der Tätigkeit des Völkerbundsrates, der Regierungskom¬ 
mission und der Abstimmungskommission in den Jahren 1933 und 1934. In 
dieser Hinsicht bietet die Arbeit reiches Material und einen umfänglichen 
Quellenanhang und berücksichtigt auch die Haltung der Saarbevölkerung in 
den Jahren 1933 und 1934. 
Interessanterweise wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Problem der 
Saarentwicklung von 1920 bis 1935 in Europa von der Forschung nicht 
wieder aufgegriffen. Die Veröffentlichungen zur Saarfrage nach 1945, die 
jene Periode behandeln, stammen von Amerikanern. Für sie schien die Saar¬ 
6 Z. B.: A. Marvaud, Le Territoire de la Sarre (Bibliothèque du Musée Social), Paris 
1924; J. Priou, L’organisation politique et économique du Territoire de la Sarre 
(Thèse), Paris 1921. Von französischer Seite gehören vor allem die Veröffentlichungen 
des Kreises um die Association Française de la Sarre zu dieser Gruppe: z. B. J. 
Re vire, Perdrons-nous la Sarre, Paris 1929; J. Donnadieu, Un infructueux essai 
de collaboration franco-allemande en Sarre, Revue Politique et Parlementaire, Bd. 
CXLIV (1930), S. 337—355. Von deutscher Seite bes. das schon genannte Werk von 
Grabowsky-Sante, außerdem: E. Metzger, Der Einfluß des Saarstatuts auf die 
politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Saargebiets (Diss.), Würzburg 1934, 
Th. Vogel, Deutsch die Saar immerdar, Berlin 1929, H. S. Weber, Der Kampf 
um die Saar, Berlin 1928. 
7 W. C. Bisschop, The Saar Controversy („The Grotius Society Publication“ No 2), 
London 1924; R. Donald, A Danger Spot in Europe and its Government by the 
League of Nations, London 1925; M. Lambert, The Saar, London 1934; S. Os- 
borne, The Saar Question a disease spot in Europe, London 1923. Zur ausländi¬ 
schen Literatur steht eine Bibliographie zur Verfügung: F. Hellwig, Die Saar¬ 
literatur Frankreichs und des Auslandes 1914—1935, Kaiserslautern 1937. 
8 S. Wambaugh, The Saar Plébiscité, Cambridge — Mass. 1940. 
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