Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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4 Die  Rahmenbedingungen  der  kommunalen  Zusammenarbeit
4.1 Allgemeine  rechtliche  und  strukturelle  Rahmenbedingungen
Wie  auf  anderen  Ebenen  der  grenzüberschreitenden  Kooperation  auch,  stellt  sich  auf  der  kommunalen
  Ebene  das  Problem  der  nur  bedingten  „Kompatibilität“  der  Kooperationspartner.  Unterschiedliche
Kompetenzbereiche,  Divergenzen  im  Staatsaufbau  und  in  der  Verwaltungsorganisation  sowie  unterschiedliche
  finanzielle  Möglichkeiten  erschweren  das  konstruktive  Zusammenarbeiten  selbst  dann,  wenn
der  politische  Wille  hierzu  beiderseits  der  Grenze  vorhanden  ist.  Nicht  zuletzt  führen  auch  die  z.T.  sehr
unterschiedlichen  Gemeindegrößen  und  die  daraus  resultierende  Abweichung  in  der  Ausstattung  der
Gemeinden  zu  erheblichen  Problemen  in  der  partnerschaftlichen  Zusammenarbeit.  Letztgenanntes  Problem
  manifestiert  sich  im  Saar-Lor-Lux-Raum  in  besonderer  Weise,  da  wir  es  in  Belgien,  Deutschland
und  Luxemburg  mit  relativ  großen,  fusionierten  (Verbands-)Gemeinden  zu  tun  haben,  während  in
Frankreich  eine  enstprechende  Gebiets-  und  Verwaltungsreform  bis  heute  ausblieb.  So  stehen  die  lothringischen
  Gemeinden  mit  einer  durchschnittlichen  Einwohnerzahl  von  988  den  ungleich  größeren  deutschen
  Partnern  mit  20.846  (Saarland)  bzw.  16.912  Einwohnern  (Rheinland-Pfalz)  gegenüber  (s.  Kap.
4.9).  Einzelaspekte  wie  die  finanzielle  und  personelle  Ausstattung  der  Gemeinden,  ihre  Kompetenzen
sowie  die  Rahmenbedingungen  für  die  grenzüberschreitenden  Aktivitäten  werden  in  den  nachfolgenden
Kapiteln  eingehend  beleuchtet.

4.2 Allgemeine  politische  Rahmenbedingungen
Die  politische  Entschlossenheit  der  nationalen  wie  regionalen  Regierungen,  Parlamente  und  Verwaltungsstellen
  zur  Intensivierung  der  grenzüberschreitenden  Zusammenarbeit  im  Saar-Lor-Lux-Raum  ist
unumstritten  und  wurde  in  den  vorangehenden  Kapiteln  anhand  der  vielfältigen  Aktivitäten  (z.B.  IPR,
Gipfel  der  Großregion  etc.)  dargestellt.  Auch  was  die  Kooperation  der  lokalen  Gebietskörperschaften
angeht,  so  finden  sich  die  Kommunen  in  einem  grundsätzlich  vorteilhaften  politischen  Klima  wieder.
Dies  unterstreichen  die  folgenden  Beispiele:
•  Die  Präfektur  der  Region  Lothringen  konstatiert  in  ihrem  Bilan  de  la  coopération  transfrontalière:
„Celles-ci  [les  communes]  sont  les  premiers  partenaires  du  dialogue  transfrontalier  au  quotidien,  celui
  qui  est  proche  du  citoyen  et  de  ses  préoccupations“  (PRÉFECTURE  DE  LA  RÉGION  LORRAINE
1994:98).  Als  „espaces  de  solidarité  transcendant  les  barrières  nationales“  (a.a.O.:100)  wird  ihnen
eine  besondere  Bedeutung  für  den  Integrationsprozeß  eingeräumt.  Die  Region  Lothringen  (Conseil
Régional)  unterstützt  lokale  grenzüberschreitende  Projekte  durch  finanzielle  Zuwendungen,  die  bis
zu  50%  der  Gesamtkosten  betragen  können  (RÉGION  LORRAINE  1994:254ff.).
•  Das  Luxemburgische  Ministerium  für  Raumordnung  betrachtet  es  im  Rahmen  der  Schaffung  einer
einheitlichen  Struktur  für  die  Saar-Lor-Lux-Kooperation  als  unabdingbar,  die  kommunale  Ebene  zu
beteiligen:  „il  est  essentiel  d'associer  le  secteur  communal“  (MAT  1996:127).
•  Die  geographische  Lage  von  Rheinland-  Pfalz  verpflichtet  „zur  nachbarschaftlichen  Zusammenarbeit
auf  kommunaler  Ebene.  Deshalb  ist  für  die  rheinland-pfälzische  Landesregierung  die  Kooperation
von  Gemeinden  und  Gemeindeverbänden  ein  wichtiges  Feld  für  grenzüberschreitende  Aktivitäten“
(Staatskanzlei  Rheinland-Pfalz  1996:1).  Daher  wird  der  kommunale  Bereich  auch  als  eine
tragende  Säule  im  sogenannten  „4-Säulen-Modell“  für  die  grenzüberschreitende  Zusammenarbeit
des  Landes  bezeichnet  (EISENHAMMER  1993).  Ministerpräsident  Kurt  BECK  begrüßt  alle  Bemühungen,
  die  kommunale  Zusammenarbeit  im  Grenzraum  zu  intensivieren:  „Sie  sollte  sich  kleinräumig
organisieren,  um  die  typisch  kommunalen  Probleme  wie  Bauleitplanung,  Wasserversorgung,  Abfallwirtschaft
  oder  öffentlichen  Personennahverkehr  lösen  zu  können“  (Vis-À-Vis  3/4  1995:30).
            
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