Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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scheidet  -  ohne  Mischformen  auszuschließen  -  physische  von  organisatorischen  Austauschbeziehungen.
Letztgenannte  „umfassen  Koordinations-  und  Kooperationsbeziehungen,  die  erst  in  der  Umsetzung  gemeinsamer
  Planungen  und  Entscheidungen  raumrelevant  werden“,  während  die  erstgenannten  „sich
räumlich-funktional  bereits  niedergeschlagen  haben“.
SPANGENBERGER  (1996:313f.)  schränkt  berechtigterweise  ein,  daß  es  nicht  sinnvoll  erscheint,
„tradierte  Zusammenhänge  funktionaler  und/oder  physischer  Natur  zwischen  Städten  aufgrund  der  Aktualität
  und  des  Interesses  an  Städtenetzen  als  solche“  zu  bezeichnen.  PRIEBS  (1996:36)  bezeichnet  die
herkömmlichen  Strukturen  als  funktional  und  statisch,  während  er  dem  neuen  organisatorischen  Konzept
  der  Städtenetze  eine  strategisch-dynamische  Komponente  und  eine  prozessuale  Orientierung  zuspricht.
  Der  Begriff  Städtenetz  in  seinem  engeren  Sinne  umfaßt  demnach  weder  die  o.g.  klassischen
materiellen  Verbindungen  zwischen  Städten  (z.B.  Verkehrsinfrastruktur),  noch  die  traditionellen  funktionalen
  und  administrativen  Beziehungen,  die  in  der  Regel  durch  die  jeweilige  staatliche  Territorialstruktur
  vorgegeben  sind.  Vielmehr  beschränkt  sich  der  Begriff  auf  unkonventionelle,  immaterielle  Beziehungen,
  die  von  den  Akteuren  der  Netzwerke  gezielt  aufgebaut  werden,  um  die  angeführten  Kooperationsvorteile
  und  Synergieeffekte  zu  erlangen.

1.3.2.3 Voraussetzungen
Grundvoraussetzung  für  das  Funktionieren  immaterieller  Städtenetze  ist  nach  DREWE  (1994:26)  zum
einen,  daß  sich  die  jeweiligen  Aktivitäten  ergänzen  {complémentarité),  zum  anderen,  daß  zwischen  den
lokalen  Akteuren  ein  Konsens  und  ein  bestimmter  Wille  zur  Schaffung  von  Synergieeffekten  existiert
{synergie  entre  les  opérateurs  locaux).  Letztere  Vorbedingung  sieht  MAIER  (1996:1)  paradoxerweise
gerade  durch  den  Konkurrenzkampf  der  Städte  und  Gemeinden  untereinander  gewährleistet:  „Der  Wettbewerb
  zwischen  ihnen  [den  Städten]  führt  u.a.  auch  zu  Absprachen  und  Kooperationen,  unterstrichen
noch  dadurch,  daß  die  schwierige  Lage  der  öffentlichen  Haushalte  zur  Überprüfung  traditioneller
Handlungsmuster  von  Staat  und  Kommunen  zwingt  und  die  Einsicht  in  die  Notwendigkeit  regionaler
bzw.  kommunaler  Vernetzung  und  Zusammenarbeit  wachsen  läßt“  (a.a.O.).  Zu  betonen  ist  in  diesem
Zusammenhang  auch,  daß  nicht  nur  rationale  Beweggründe  den  Willen  und  damit  den  Anstoß  zur  Kooperation
  bedingen,  sondern  daß  auch  ein  gegenseitiges  Vertrauen  zwischen  den  Akteuren  vorhanden
sein  muß  (Gaunard  1997:283ff.;  RITTER  1995:400;  SPANGENBERGER  1996:314).  FAHRENKRUG
(1997:109)  faßt  die  „unverzichtbaren  Komponenten“  von  Städtenetzen  wie  folgt  zusammen:
•  es  kooperieren  mehrere  gleichberechtigte  Partnerstädte;
•  es  gibt  mehrere  gemeinsame  Handlungsfelder;
•  es  existiert  eine  Organisationsstruktur,  die  die  lokalen  Verantwortlichen  in  den  jeweiligen  Handlungsfeldern
  einbezieht;
•  es  herrscht  die  gemeinsame  Überzeugung,  durch  die  Kooperation  Aufgaben  besser  bewältigen  und
daraus  für  alle  Partner  Nutzen  ziehen  zu  können.

1.3.2.4 Städtenetze  in  Raumordnung  und  Regionalplanung
Das  Konzept  der  Städtenetze  ist  in  der  deutschen  Raumordnung  noch  sehr  jung,  während  in  Frankreich
  bereits  Mitte  der  80er  Jahre  die  politique  des  réseaux  de  villes  zunehmend  Eingang  in  Forschung
und  Planung  fand  (vgl.  MARCOU  et  al.  1994;  CHAPUIS  1994).  So  schlug  es  sich  auch  in  der  nationalen
Raumordnungsdebatte  La  France  en  20153  nieder,  die  zwischen  1993  und  1995  die  Leitlinien  der  künftigen
  Raumentwicklungspolitik  Frankreichs  erarbeitete.  Die  Förderung  kohärenter  Strukturen,  die  Gebietskörperschaften
  gleicher  und  unterschiedlicher  Ebenen  aneinander  binden,  ist  demnach  eines  der

3  Débat  National  Pour  l'Aménagement  du  Territoire.
            
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