Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

22

1.3.2.1 Hintergründe
Die  Europäische  Integration  führt  zwangsläufig  zur  Vermehrung  und  Verstärkung  von  Austauschbeziehungen
  zwischen  den  europäischen  Staaten,  Regionen  und  Kommunen.  Diese  Entwicklung  beschleunigt
  die  Entstehung  mehr  oder  weniger  formalisierter  netzwerkartiger  Strukturen,  beispielsweise
zwischen  Unternehmen,  Verbänden  und  -  neuerdings  auch  -  lokalen  Gebietskörperschaften  (Pumain  &
SAINT-JULIEN  1993:15ff.).  Während  unternehmerisches  „Networking“  anerkanntermaßen  als  „ein
wichtiges  Instrument  [gilt],  um  Effizienzsteigerung  und  Kosteneinsparung  zu  erreichen“  (Arras
1994:8),  wurde  dieses  Prinzip  von  Städten  und  anderen  Gebietskörperschaften  erst  in  den  letzten  Jahren
in  seiner  Tragweite  erkannt.  Ähnlich  dem  unternehmerischen  Verhalten  ist  die  Ausbildung  von  Städtenetzen
  auch  als  Reaktion  der  Kommunen  auf  einen  verstärkten  Wettbewerb  und  knapper  werdende
Mittelzuweisungen  im  Zuge  der  Europäisierung  bzw.  Globalisierung  ihres  politischen  wie  wirtschaftlichen
  Umfeldes  zu  verstehen.  Diese  zeigt  sich  darin,  daß  die  Kommunen  „vermehrt  unterschiedliche
Formen  der  interkommunalen  Zusammenarbeit  gebildet  haben,  um  funktionsräumliche  Zusammenhänge
unter  verschärften  Rahmenbedingungen  konsensorientiert,  flexibel,  synergeüsch  und  damit  effizienter
entwickeln  zu  können“  (ADAM  1994b:514).  Städtenetze  bieten  den  „Städten  eines  Raumes,  einer  Region
oder  Städten  mit  gleichen  Interessen  die  Chance,  gemeinsam  Politik  zu  machen,  ihre  Zukunft  zu  gestalten.
  Sie  ermöglichen  die  Bündelung  der  Stärken  und  eine  gemeinsame  Überwindung  der  Schwächen,  läßt
sie  besser  in  der  Konkurrenz  zu  anderen  Räumen  bestehen“  (ARRAS  1994:8).  PRIEBS  (1996:42)  spricht
in  diesem  Zusammenhang  von  „interessengeleiteten  Allianzen“  zwischen  kommunalen  Gebietskörperschaften,
  denen  es  zunächst  nicht  leicht  fällt,  „mit  dem  Spannungsverhältnis  von  Kooperation  und  Konkurrenz
  umzugehen“  (a.a.O.:38).  Dies  gilt  in  besonderer  Weise  für  Frankreich  und  dort  vor  allem  für
die  Klein-  und  Kleinstgemeinden  des  ländlichen  Raums,  die  sich  bisher  vehement  jegüchen  Versuchen
einer  Gebiets-  und  Verwaltungsreform  widersetzt  haben  und  interkommunalen  Strukturen  zunächst
meist  skeptisch  gegenüberstanden:  „La  volonté  de  renforcer  Farmature  urbaine  locale  par  le  biais  d  une
coopération  informelle  reflète  une  évolution  des  mentalités  locales,  notamment  en  milieu  rural,  autrefois
profondément  opposé  à  toute  coopération  intercommunale“  (Gaunard  1996:6).

1.3.2.2 Maßstabsebenen  und  Prinzip  der  Vernetzung
Vernetzungen  sind  sowohl  auf  der  transeuropäischen  Ebene  zwischen  den  europäischen  Metropolen,
auf  der  nationalen  Ebene  zwischen  den  Ballungs-  und  Verdichtungsräumen  eines  Landes,  auf  der  regionalen
  Ebene  zwischen  Ober-  bzw.  Mittelzentren  als  auch  auf  der  lokalen  Ebene  zwischen  Unterzentren
denkbar.  Das  Konzept  ist  demnach  nicht  nur  auf  stark  urbanisierte  Räume,  sondern  auch  auf  ländliche
Gebiete  anwendbar.  Aus  diesem  Grund  sind  in  den  nachfolgenden  Ausführungen  unter  Städtenetzen
auch  netzwerkartige  Beziehungen  zwischen  Gemeinden  mit  einem  nichtstädüschen  zentralen  Orten  zu
verstehen.  Die  in  der  Fachliteratur  diskutierten  Begriffsvarianten  Gemeindenetze  oder  lokale  bzw.
kommunale  Netzwerke  sollen  in  der  vorliegenden  Arbeit  aus  Gründen  der  Praktikabilität  zunächst  zugunsten
  des  allgemeinverständlicheren  und  verbreiteteren  Begriffs  der  Städtenetze  zurücktreten.  Analog
dazu  wird  im  folgenden  pauschal  von  Städten  im  Sinne  von  zentralen  Orten  die  Rede  sein,  die  durchaus
auch  dörflicher  Natur  sein  können.
Das  Konzept  orientiert  sich  an  dem  seit  einigen  Jahren  in  Wissenschaft  und  Politik  diskutierten  Phänomen
  der  Netzwerke,  die  STEINBACH  (1995:26)  als  „mehr  oder  minder  stabile  Beziehungssysteme  zwischen
  einer  Anzahl  von  ‘Grundelementen’“  bezeichnet.  Mit  Grundelementen  sind  -  im  bildlichen  Sinne  -
die  Knoten  des  Netzes  gemeint,  die  im  vorliegenden  Falle  von  den  Städten  gebildet  werden.  Diese  stehen
über  die  Kanten  des  Netzes  miteinander  in  Beziehung.  Die  Kanten  können  sowohl  materieller  Art  (z.B.
Verkehrswege,  Versorgungsleitungen  etc.),  als  auch  immaterieller  Art  (z.B.  Verwaltungshierarchien,
Kooperationsvereinbarungen  etc.)  sein.  Letztere  bezeichnet  STEINBACH  (a.a.O.)  auch  als  sekundäre
Netze,  die  in  der  Regel  nur  auf  der  Basis  von  primären  Netzen  der  Transport-,  Kommunikations-  und
Ver-  bzw.  Entsorgungsinfrastruktur  existieren  können.  DREWE  (1994:25)  bezieht  neben  den  chaînes
matérielles  und  den  chaînes  immatérielles  auch  die  Ströme  (ßux)  bzw.  den  Austausch  von  Gütern,
Personen  und  Informationen  zwischen  den  Städten  in  seine  Betrachtungen  ein.  Adam  (1994a:l)  unter¬
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.