Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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auf  naturdeterministische,  (geo-)politisch  vielfach  mißbrauchte  Leitbilder  versteht,  sondern  die  Analyse
der  natürlichen  Ressourcen,  die  einen  Grenzraum  und  seine  Einwohner  prägen  (z.B.  Grenzflüsse  und
ihre  Einzugsgebiete,  s.  Kap.  6).

1.3.2  Das  raumordnerische  Leitbild  der  Städtenetze
Ein  wichtiges  Anliegen  jeder  geographischen  Betrachtung  von  Grenzräumen  muß  es  sein,  die  aktuellen
  Leitbilder  der  nationalen  bzw.  regionalen  Raumordnung  aufzugreifen  und  auf  ihre,  salopp  formuliert,
  „grenzüberschreitende  Tauglichkeit“  zu  überprüfen.  Mit  anderen  Worten:  In  Ermangelung  einer
echten  europäischen  Raumordnungskompetenz  (s.u.)  stützt  sich  die  Raumordnung  auch  in  einem  zusammenwachsenden
  Europa  mit  stark  abgeschwächten  Grenzen  überwiegend  auf  nationale  Konzepte
und  Leitbilder.  Diese  müssen  sich  zwar  nicht  grundsätzlich  widersprechen  und  für  die  europäische  Planung
  hinderlich  sein,  wurden  aber  im  nationalen  Maßstab  entwickelt  und  müssen  daher  ihre  Übertragbarkeit
  unter  Beweis  stellen.
Dabei  erscheint  vor  allem  das  Konzept  der  „Städtenetze“  im  Hinblick  auf  eine  grenzüberschreitende
Fragestellung  besonders  interessant.  Es  handelt  sich  dabei  um  ein  in  der  Bundesrepublik  noch  relativ
junges  Entwicklungs-  und  Ordnungsmodell,  das  auf  dem  klassischen  Modell  der  zentralen  Orte  und
ihrer  Versorgungsbereiche  nach  CHRISTALLER  (1933)  basiert.  CHRISTALLER  erfaßte  jedoch  noch  nicht
die  Vielfalt  der  Beziehungen  zwischen  den  von  ihm  hierarchisierten  Orte:  „However,  central  place  theory
  did  not  consider  the  emerging  role  of  functions  and  interactions  across  complex  networks“  (Weberg
1993:136).  Sein  Modell  scheint  deshalb  dahingehend  erweiterungsfähig,  daß  nicht  mehr  eine  zentraliräAbedingte
  Hierarchie  Leitbild  siedlungsstruktureller  Ordnung  ist,  sondern  ein  eher  horizontales  Beziehungsgeflecht
  miteinander  vernetzter  Städte  /  zentraler  Orte  in  den  Mittelpunkt  des  Interesses  rückt.
Gleichwohl  erhebt  das  Leitbild  der  Städtenetze  nicht  den  Anspruch,  das  System  der  Zentralen  Orte
gänzlich  zu  verdrängen.  Es  ergänzt  dieses  lediglich  um  funktional  orientierte  Interaktionsmuster,  die  von
den  standardisierten  Verwaltungs-  und  Verfahrenshierarchien  abweichen,  sofern  der  gesetzliche  Rahmen
den  kommunalen  Akteuren  entsprechende  Spielräume  gewährt  (Adam  1994a;  DREWE  1994;  KRAUTZ-BERGER
  1994;  MEHWALD  1994;  PRIEBS  1996;  STEINBACH  1995;  STTENS  1994,1995).

Zentrale-Orte-Konzept  Konzept  der  Städtenetze

|  =  Oberzentrum  CH  =  Mittelzentrum  -  =  Bezugsachse
Entwurf  +  Darstellung:  Christian  SCHULZ  (1997)

Abb.  2:  Wandel  vom  Konzept  der  Zentralen  Orte  zum  Konzept  der  Städtenetze
            
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