Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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11 Zusammenfassungen
11.1  Zus  ammenfassung
Der  Saar-Lor-Lux-Raum  ist  gekennzeichnet  durch  eine  Vielzahl  grenzüberschreitender  Kooperationsformen.
  Die  Partnerschaft  verschiedenster  Institutionen,  wie  Parlamente,  Regierungen,  Kammern
und  Verbände,  sowie  die  Zusammenarbeit  von  regionalen  Gebietskörperschaften  haben  auch  unterschiedliche
  Zuschnitte  dieses  künstlichen  Raumgebildes  hervorgebracht.  Die  herrschende  Verwirrung
bezüglich  seiner  uneinheitlichen  Abgrenzung  sowie  seine  Größe  führen  seitens  der  betroffenen  Bevölkerung
  zu  Problemen,  diese  „Regionalisierung“  als  notwendige  Entwicklung  wahrzunehmen  bzw.  sich  mit
diesem  Raum  zu  identifizieren.  Gleichzeitig  haben  sich  auf  der  lokalen  Ebene  mehrere  Untereinheiten
von  Saar-Lor-Lux  etabliert,  in  denen  kommunale  Gebietskörperschaften  bemüht  sind,  ihre  grenzüberschreitenden
  Kontakte  zu  verbessern  und  zunehmend  zu  institutionalisieren.
Die  vorliegende  Arbeit  geht  der  Frage  nach5  welchen  Beitrag  zum  europäischen  Integrationsprozeß
diese  Formen  der  grenzüberschreitenden  Zusammenarbeit  im  Vergleich  zu  übergeordneten  Ebenen  zu
leisten  im  Stande  sind.  Dabei  wird  das  in  der  europäischen  Raumordnungsdiskussion  zunehmend  an
Bedeutung  gewinnende  Leitbild  der  Städtenetze  zugrundegelegt,  dessen  grenzüberschreitende  Anwendbarkeit
  anhand  dreier  konkreter  Fallbeispiele  diskutiert  wird.  Mit  der  Agglomération  Transfrontalière
du  Pôle  Européen  de  Développement  Longwy-Rodange-Athus  (PED),  dem  Europäischen  Tal  der
Obermosel  sowie  dem  Saar-Rosselle-Raum  wurden  drei  Gebiete  des  Saar-Lor-Lux-Raumes  gewählt,  in
denen  die  interkommunale  grenzüberschreitende  Zusammenarbeit  eine  relativ  starke  Institutionalisierung
erfahren  hat.  Die  Kooperation  in  diesen  Räumen  ist  in  den  letzten  Jahren  in  einen  sehr  dynamischen
Entwicklungsprozeß  getreten,  der  maßgeblich  durch  die  Gemeinschaftsinitiative  INTERREG  II  sowie
durch  Verbesserungen  im  nationalen  und  internationalen  Recht  begünstigt  wurde.
Eine  deskriptive  Analyse  der  Aktivitäten  in  den  drei  Teilräumen  ist  Grundlage  einer  weitergehenden
Untersuchung  der  Vorteile  und  Hemmnisse  der  Kooperation.  Letztere  wurden  insbesondere  im  Rahmen
einer  Befragung  lokaler  Akteure  im  Grenzraum  ermittelt.  Dabei  ergeben  sich  sehr  unterschiedliche
Rahmenbedingungen  für  die  grenzüberschreitende  Kooperation,  die  sehr  stark  von  deren  bisheriger  Institutionalisierung
  abhängen.  Entscheidend  wirkt  hierbei  auch  die  hauptamtliche  Unterstützung  der  politischen
  Aktivitäten,  wie  sie  im  Falle  des  PED  durch  das  Observatoire  de  l'Urbanisme  in  Longwy,  im
Falle  des  Saar-Rosselle-Raumes  durch  das  Kooperationsbüro  beim  Stadtverband  Saarbrücken  gewährleistet
  scheint.  Hier  zeichnen  sich  Strukturen  ab,  die  einen  dauerhaften  Bestand  der  Kooperation  erwar
ten  lassen  und  trotz  des  möglichen  Wechsels  politischer  Akteure  eine  gewisse  Kontinuität  versprechen.
Diese  Entwicklung  geht  einher  mit  der  zunehmenden  thematischen  Diversifizierung  der  Kooperationsbereiche.
  Zunehmend  werden  auch  „harte“  Themen,  wie  Fragen  der  Siedlungsentwicklung,  des  technischen
Umweltschutzes  oder  des  gemeinsamen  Betriebs  von  Einrichtungen,  zum  Gegenstand  grenzüberschreitend-interkommunaler
  Vorhaben.  Trotz  aller  strukturellen,  juristischen  und  administrativen  Hindernisse
profitieren  die  beteiligten  Stellen  im  grenznahen  Raum  dabei  oftmals  von  der  Existenz  gemeinsamer
(Umgangs-)Sprachen  und  kultureller  Gemeinsamkeiten.  Zudem  zeichnet  sich  eine  relativ  große  Akzeptanz
  der  grenzüberschreitenden  Bemühungen  durch  die  lokale  Bevölkerung  ab,  da  sich  die  Ergebnisse  in
der  Regel  auch  positiv  in  ihrer  eigenen  Lebenswelt  niederschlagen  (z.B.  Verbesserung  des  grenzüberschreitenden
  Personennahverkehrs).
Formen  und  Inhalte  der  lokalen  grenzüberschreitenden  Zusammenarbeit  zeigen  vielfach  typische
Charakteristika  der  Städtevemetzung:  ihre  Freiwilligkeit,  die  Komplementarität  der  Partner  sowie  die
Schaffung  unkonventioneller,  aus  den  nationalen  Verwaltungshierarchien  ausscherender  Instititutionen
spiegeln  deren  grundlegende  Motivation  wider,  durch  die  Nutzung  von  Synergieeffekten  eine  stärkere
Stellung  im  regionalen,  nationalen  oder  gar  internationalen  Raumgefüge  zu  erlangen.  Dabei  wird  im
vorliegenden  Falle  gleichzeitig  ein  wertvoller  Beitrag  zur  Überwindung  der  EU-Binnengrenzen  geleistet,
der  die  derart  zusammenwachsenden  Räume  zu  Kernzonen  des  europäischen  Integrationsprozesses
macht.  Sie  sind  Beispiel  für  eine  „bottom-up“-EntWicklung,  die  die  innere  Kohäsion  Europas  tragfähiger
  macht  und  das  gegenseitige  Verständnis  der  Bevölkerung  in  den  Grenzräumen  verbessern  hilft.
            
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