Full text : Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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blierte  Struktur  der  Zusammenarbeit  zwischen  einzelnen  grenznahen  Städten  bzw.  Gemeinden  bezeichnen
  kann.  Der  Qualität  der  Agglomération  du  PED  kommen  hingegen  verschiedene  Kooperationsformen
  im  Saar-Rosselle-Raum  sehr  nahe.  Insbesondere  im  Bereich  Umweltplanung  (s.  gemeinsame
Datenerhebung,  Kartenwerke,  Projekt  TEMSIS  etc.)  beginnen  sich  Relationen  zu  entwickeln,  die  ähnliche
  Formen  der  Kooperation  im  nationalen  Rahmen  an  Intensität  übertreffen.  Im  Gegensatz  zu  den
Projekten  der  Association  Transfrontalière  wechseln  hier  jedoch  die  Konstellationen  häufig  von  Projekt
zu  Projekt,  so  daß  man  mit  Ausnahme  der  übergreifenden  Vorhaben  der  Interkomm-AG  nur  bedingt  von
gefestigten  Organisationsstrukturen  sprechen  kann.
Wie  das  vorherige  Kapitel  gezeigt  hat,  hat  die  Qualität  der  Vernetzung  immer  auch  etwas  mit  den
aufgebauten  Strukturen,  das  heißt  dem  Grad  der  Institutionalisierung  der  Zusammenarbeit  zu  tun.  Ergänzt
  man  die  sektoral  gefaßte  Definition  von  Städtenetzen  um  den  Zusatz,  daß  von  Vernetzung  nur
dann  zu  sprechen  ist,  wenn  durch  die  Schaffung  entsprechender  Vereinbarungen,  Organisationen  oder
gemeinsam  unterhaltener  Einrichtungen  gewährleistet  ist,  daß  die  Kooperation  in  einem  Netz  eine  gewisse
  Kontinuität  erlangt,  so  heißt  dies  auch,  daß  die  Teilhabenden  an  einem  solchen  Netz  klar  festgelegt
sind.  Letzteres  Kriterium  erfüllen  sowohl  die  Association  Transfrontalière  als  auch  die  Interkommunale
Arbeitsgemeinschaft,  während  im  Falle  des  Bürgermeistertreffens  an  der  Mosel  ob  seiner  unverbindlichen
  Struktur  und  der  großen  Unregelmäßigkeit  der  Teilnahme  vieler  französischer  Gemeinden  nicht
von  einer  solch  klaren  Zusammensetzung  ausgegangen  werden  kann.
Im  Zusammenhang  mit  der  Vemetzungsdiskussion  ist  die  Institutionalisierung  der  Zusammenarbeit
jedoch  auch  ambivalent  zu  sehen.  Problematisch  erscheint  hier  insbesondere  die  Schaffung  gemeinsamer
Einrichtungen.  Während  beispielsweise  das  Kooperationsbüro  der  Interkomm-AG  vornehmlich  eine
Koordinationsfunktion  für  die  beteiligten  Gemeinden  ausübt,  wurden  dem  Observatoire  de  l'Urbanisme
zahlreiche  kommunale  Pflichtaufgaben  übertragen.  Es  handelt  sich  hierbei  sicherlich  um  einen  Grenzfall
zwischen  notwendiger  Institutionalisierung  der  Kooperation  im  o.g.  Sinne  und  der  Schaffung  einer  vollkommen
  neuen  Arbeitsebene.  Diese  könnte  langfristig  womöglich  zu  einer  eigenständigen,  gemeindeund
  staatsgrenzenübergreifenden  Gebietskörperschaft  werden,  was  eindeutig  über  den  Ansatz  der  Kooperation
  durch  Vernetzung  hinausginge  und  einer  Fusion  kommunaler  Gebietskörperschaften  gleichkäme
  -  die  durchaus  sehr  wünschenswert  sein  könnte,  heute  aber  noch  illusorisch  erscheint.
Problematisch  ist  in  diesem  Zusammenhang  auch  die  allen  drei  Organisationsformen  eigene  relativ
große  Zahl  beteiligter  Kommunen,  vor  allem  aber  auch  die  Mitwirkung  übergemeindlicher  Strukturen.
Während  die  zum  Teil  in  Kapitel  1  dargestellten  etablierten  Städtenetze,  wie  z.B.  das  Bergische  Städtedreieck
  Solingen-Remscheid-Wuppertal  (vgl.  GLEISENSTEIN  et  al.  1997),  aus  einer  überschaubaren
Zahl,  in  der  Regel  aus  drei  bis  sechs  Partnern  bestehen,  haben  wir  es  in  allen  drei  Fallbeispielen  mit
einer  deutlich  größeren  Anzahl  von  Gemeinden  zu  tun,  von  denen  die  wenigsten  -  auch  das  wurde  bereits
in  der  Einleitung  problematisiert  -  städtischen  Charakter  besitzen.  Ebenso  schwierig  erscheint  es,  die
übergemeindlichen  Institutionen  (s.  Stadtverband  Saarbrücken,  verschiedene  SIVOM,  IDELUX,
SIKOR),  deren  Beteiligung  nicht  zuletzt  wegen  der  großen  Zahl  von  Einzelgemeinden  notwendig  ist,  in
das  „klassische“  Städtenetzverständnis  einzuordnen.
Die  eingangs  erwähnte  defmitorische  Vielfalt  (BRAKE  1996),  die  sicherlich  auch  auf  dem  noch  sehr
geringen  Alter  des  Städtenetzphänomens  in  den  Raumwissenschaften  beruht,  ließe  zweifelsohne  genügend
  Spielräume,  für  die  hier  untersuchten  Beispiele  trotz  oder  gerade  wegen  ihrer  Besonderheiten  neue
Untertypen  zu  kreieren  bzw.  Mischformen  zu  konstituieren.  Da  diese  jedoch  -  wie  manche  Städtnetzdefinitionen
  übrigens  auch  -  Gefahr  liefen,  die  Grenze  zur  konventionellen  interkommunalen  Zusammenarbeit
  benachbarter  Gebietskörperschaften  zu  überschreiten,  soll  hier  abschließend  folgende  Feststellung
getroffen  werden:  Die  Fallbeispiele  zeigen  sowohl  in  ihrer  Motivation  zur  Zusammenarbeit  als  auch  in
der  Ausprägung  ihrer  Aktivitäten  gewisse  Parallelen  zu  Städtenetzen  im  nationalen  Rahmen  auf.  Der
eigentliche  Netzcharakter,  nämlich  das  Überwinden  von  Distanz  zwischen  zwei  „Knoten“  (Städten,
Gemeinden),  beruht  hier  weniger  auf  räumlicher  Distanz,  sondern  kommt  vielmehr  durch  das  Überschreiten
  einer  Staatsgrenze  mit  all  ihren  angesprochenen  Hemmnissen  für  die  Kooperation  zustande.
Demgegenüber  sind  unter  den  beteiligten  Gemeinden  im  jeweiligen  nationalen  Rahmen  Beziehungsge¬
            
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