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Gemeindeverband an der Agglomération Transfrontalière du PED beteiligt, dessen Wirkungsbereich
weit über das Projektgebiet hinausgeht, und der nicht nur die Interessen der drei betroffenen Grenzgemeinden,
sondern aller Gemeinden der Provinz zu vertreten hat.
Auch im Falle der relativ eigenständigen deutschen Gemeinden treten strukturelle Probleme auf, die
sich einerseits an dem bereits geschilderten Konflikt zwischen der Landesebene und den kommunalen
Gebietskörperschaften (s. Rheinland-Pfalz) zeigen, andererseits aber auch in Kompetenzstreitigkeiten
zwischen den Gemeinden und den Landkreisen oder dem Stadtverband Saarbrücken äußern können.
Letzterer stellt einen Sonderfall dar, da ihm durch die Übertragung der vorbereitenden Bauleitplanung
für seine Mitgliedsgemeinden deutlich mehr Kompetenzen zukommen als einem Landkreis. Das hieraus
resultierende strukturimmanente Konfliktpotential - insbesondere zwischen den stärkeren Kommunen,
beispielsweise der Landeshauptstadt Saarbrücken, und dem Stadtverband - schlägt sich mitunter auch
auf dem Feld der grenzüberschreitenden Kooperation nieder, beispielsweise in der Diskussion über die
Finanzierung des Kooperationsbüros der Interkommunalen Arbeitsgemeinschaft (s.u.).
Ähnlich strukturiert sind latente Konflikte, die aus einem Ungleichgewicht der Partner resultieren
können. Gemeint sind Fälle, in denen einzelnen Städten oder Gemeinden aufgrund ihrer politischen bzw.
wirtschaftlichen Bedeutung gewisse Hegemonialansprüche unterstellt werden. Diese Kritik wurde in der
Agglomération Transfrontalière du PED laut, wo der Stadt Longwy sowohl von den französischen
Nachbargemeinden als auch von den belgischen und luxemburgischen Partnern ein von Führungsinteressen
dominiertes Selbstverständnis in der Kooperation nachgesagt wurde. Mit ähnlichen Phänomenen
müßte auch in den beiden anderen untersuchten Teilräumen zu rechnen sein. Aber weder im Moseltal,
wo beispielsweise ein gewisses „Übergewicht“ der Gemeinde Perl vorgegeben ist, noch im Saar-Ros
seile-Raum, wo der Stadtverband Saarbrücken größter Partner und gleichzeitig Motor der Kooperation
zu sein scheint, konnten solche negativen Begleiterscheinungen beobachtet werden. Vielmehr scheinen
hier insbesondere die kleinen französischen Gemeinden sehr wohlwollend von der Unterstützung
eines personell gut ausgestatteten, sachkundigen Nachbarn zu profitieren.
8.3.2 Finanzielle Hemmnisse
Die sehr beschränkten finanziellen Spielräume der Kommunen wirken sich selbstverständlich auch
hemmend auf die Bereitschaft zur Investition in grenzüberschreitende Aktivitäten aus. Zwar hält die
Mehrzahl der befragten Gemeinden eigene Haushaltsmittel für die Zusammenarbeit vor (s. Abb. 32),
diese gehen jedoch meist nicht weit über die jährlichen Mitgliedsbeiträge für gemeinsame Einrichtungen,
die Unterhaltung von Städtepartnerschaften oder die Gmndfinanzierung gemeinsamer kultureller Aktivitäten
hinaus.
Darüber hinausgehende Projekte kommen meist nur dann in Betracht, wenn anderweitige Finanzierungsmöglichkeiten
zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang kommt den Finanzhilfen seitens
der EU und hier vor allem der bereits ausführlich besprochenen Gemeinschaftsinitiative INTERREG
eine herausragende Rolle zu. Die Mehrzahl der befragten Gemeinden, die von Geldern aus INTERREG
I profitierten, wären nicht in der Lage gewesen, die Vorhaben ohne den EU-Zuschuß sowie regionale
bzw. nationale Komplementärmittel zu realisieren. In vielen Fällen habe INTERREG I sogar Projekte
generiert, die ohne die Existenz der Gemeinschaftsinitiative nie angedacht worden wären. Da im Untersuchungsraum
nur relativ wenige kommunale Gebietskörperschaften von INTERREG I profitierten (s.
Kap. 4.3.2), erhoffen sich die meisten Gemeinden angesichts einer besseren Kenntnis über die Vergabekriterien79
sowie des größeren Volumens von INTERREG II eine stärkere Berücksichtigung ihrer Anliegen.
Über 90 % der befragten Gemeinden haben dementsprechende Anträge eingereicht, wobei es sich
79 Etwa Drei viertel der lokalen Akteure gaben an, sich über die Antrags- und Vergabemodalitäten von
INTEREG II ausreichend informiert zu fühlen. Sie beziehen die nötigen Auskünfte in etwa gleichem Maße
von der EU-Kommission, nationalen Ministerien, der regionalen Verwaltung sowie von
Gemeindeverbänden.