Volltext: Interkommunale Zusammenarbeit im Saar-Lor-Lux-Raum

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6.4.4 Ver- und Entsorgung 
Zu den klassischen Bereichen der kommunalen Kooperation im deutsch-luxemburgischen Grenzraum 
zählt die Abwasserbehandlung, wie es bereits in Kap. 4.8 anhand eines aus den 70er Jahren stammenden 
einschlägigen Staatsvertrages erläutert wurde. Auch im Untersuchungsraum sind derartige Aktivitäten 
zu beobachten. Die luxemburgische Gemeinde Mompach errichtete zusammen mit der Verbands¬ 
gemeinde Trier-Land im Bereich der Mündung der Sauer in die Mosel eine Kläranlage, die von einem 
gemeinsamen Abwasserzweckverband betrieben wird. Vorgespräche zur Planung und Realisierung einer 
gemeinsamen Kläranlage finden derzeit zwischen den Gemeinden Perl(D) und Remerschen(L) statt. Im 
Bereich der Stromerzeugung teilen sich die Gemeinden Apach (F) und Schengen (L) die Gewerbesteuern 
eines seit 1996 in Schengen ansässigen Moselwasserkraftwerkes. 
Zahlreiche kleinere lothringische Gemeinden im Untersuchungsraum haben großes Interesse an einer 
künftigen Trinkwasserversorgung durch die Gemeinde Perl bekundet, ihr Ausstieg aus den Lieferverträ¬ 
gen mit französischen Versorgern gestaltet sich jedoch schwierig. 
6.4.5 Kultureller Sektor 
Einen weiteren Schwerpunkt der grenzüberschreitenden Aktivitäten der Gemeinden im Moseltal bil¬ 
den kulturelle Veranstaltungen. Im Bereich der bildenden Künste ist an erster Stelle die internationale 
Kunstausstellung Saar-Lor-Lux-Art zu nennen, die seit 1990 jährlich in einer der drei Gemeinden 
Contz-lès-Bains (F), Wellenstein (L) und Perl (D) stattfindet. Bis zu 39 Künstler (13 je Land) nehmen 
an der Ausstellung teil und konkurrieren um „attraktive“ Preise (BASTIAN 1996:2). Auf dem Bil¬ 
dungssektor verdient - neben den zahlreichen Schulpartnerschaften und regelmäßigen Schülerbegegnun¬ 
gen - die Kooperation im Bereich der Kindergärten besondere Beachtung. Hier besteht ein Arbeitskreis 
der Vertreter bzw. Träger der Kindergärten im Dreiländereck, der eine gemeinsame Bedarfsplanung 
anstrebt und den bereits bestehenden grenzüberschreitenden Beziehungen Rechnung trägt. So besuchen 
beispielsweise zahlreiche Kinder aus Perl die École Maternelle in Apach (F). Im Rahmen des Neubaus 
dieses Kindergartens soll eine grenzüberschreitend ausgerichtete Begegnungsstätte für Kinder entstehen. 
Einen nicht zu unterschätzenden Wert im Hinblick auf eine Integration von Grenzräumen besitzt die 
Möglichkeit der Begegnung und des Sich-Kennenlemens im Rahmen von Festen. In diesem Sinne ver¬ 
anstalten die Gemeinden Perl, Apach (F) und Remerschen (L) im jährlichen Wechsel ein Europäisches 
Freundschaftstreffen, das, wie zahlreiche andere Feste und Kulturveranstaltungen auch, die Vereine und 
Gruppen jenseits der Grenzen aktiv einbezieht und von Besuchem/innen aus allen drei Ländern stark 
frequentiert wird. 
6.4.6 Sonstige Aktivitäten 
Eine eher untergeordnete Rolle spielen Bemühungen um die Verbesserung des ÖPNV im Untersu¬ 
chungsgebiet. Unter eher touristischen Aspekten zu sehen ist die in bilateraler Trägerschaft befindliche 
Moselfähre zwischen Wasserbillig (L) und Oberbillig (D), deren jährliches Defizit (bis zu DM 40.000) 
zu gleichen Teilen von der Gemeinden Mertert/Wasserbillig (L) und der Ortsgemeinde Oberbillig (D, 
Verbandsgemeinde Konz) getragen wird. Für den Betrieb der Fähre zeichnet gemäß einer Vereinbarung 
die Gemeinde Oberbillig verantwortlich73. Eine Neuregelung des ÖPNV ist in diesem Bereich in Arbeit 
und soll verstärkt den Grenzpendlerbeziehungen sowie der touristischen Nachfrage Rechnung tragen 
(LUTZ 1997, frdl. mdl. Mitt.). 
In Anbetracht der unübersehbaren Vielfalt sonstiger Aktivitäten in den Bereichen Kultur und Sport, 
die im wesentlichen von privaten Vereinen getragen, aber von den Gemeinden ideell und z.T. finanziell 
73 
Vereinbarung zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Fähre Oberbillig-Mertert/Wasserbillig vom 25. März 
1991.
	        

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