Full text: Das Mainzer Zunftwesen und die französische Herrschaft

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Studenten nach Mainz kamen, um dort an den Ufern des Rheines 
ihren Studien zu obliegen. Ausserdem wurde eine Bau- und 
Zeichenakademie gegründet, die ebenfalls viele Kunstjiinger 
nach Mainz zog.9) 
Als Residenz des ersten deutschen Kurfürsten war Mainz 
der Schauplatz glanzvoller Festlichkeiten. Von den vielen 
Festlichkeiten, die in den letzten Jahrzehnten des Mainzer Kur¬ 
staates gefeiert wurden, mögen zwei wegen ihres besonders 
glänzenden Verlaufes Erwähnung finden. Die Wahl Dalbergs 
zum Koadjutor des letzten Kurfürsten löste in Mainz ungeheueren 
Jubel aus und wurde gebührend gefeiert. Die gesamte Ein¬ 
wohnerschaft nahm an dieser Freudenfeier teil. Die Bürgerschaft 
wurde in dem Dalbergischen Flofe mit Wein, Fleisch und Brot 
reichlich bewirtet. — Ebenso hielten sich die Glanztage an¬ 
lässlich der Anwesenheit des neugekrönten Kaisers Franz II. 
in besonderem Andenken. Mainz hatte die Ehre, vom 19. bis 
22. Juli 1792 Kaiser Franz II. nebst Gemahlin, den König von 
Preussen und andere mit dem Kaiser erschienenen Fürsten, Ge¬ 
sandten und hohen Militärpersonen in seinen Mauern zu beher¬ 
bergen. Der Hof und die Stadt boten alles auf, um den hohen 
Gästen den Aufenthalt so abwechslungsreich und so angenehm 
als möglich zu gestalten. Schifferstechen, Bälle, Gartenfeste, 
ja sogar eine Treibjagd auf dem Schlossplatz wurden ab¬ 
gehalten und die Stadt wurde festlich illuminiert.10) 
Diese allgemeinen Ursachen bedingten jedoch nicht allein 
den wirtschaftlichen Aufschwung in Mainz. Von der Idee des 
Merkantilismus beseelt, suchten die Kurfürsten selbst durch 
geeignete Massnahmen das Wirtschaftsleben ihrer Residenz¬ 
stadt zu fördern. Besonders Kurfürst Ostein hat sich durch 
seine tatkräftige Wirtschaftspolitik grosse Verdienste um die da¬ 
malige Entfaltung des Mainzer Wirtschaftslebens erworben.11) 
Zwecks Neuregelung des gesamten „Commerzwesens“ setzte 
er 1746 eine „Commerzien-Commission“ ein. Diese erliess 
bereits im folgenden Jahre „die Churfürstl. Mayntzische Pro- 
visional-Verordnung“12), deren Bestimmungen die Markt¬ 
schiffahrt, den Frachtverkehr und das Überschlagswesen 
regelten, und ausserdem eine neue Handelgerichtsverfassung 
und Handelsprozessordnung. Im gleichen Jahre wurde durch 
9) Bockenheimer: Das öffentliche Leben in Mainz S. 23 ff. 
10) Werner: Der Dom von Mainz III, S. 262 f und 307 f. Dumont: 
Belagerung S. 7 f. Bockenheimer: Das öffentliche Leben in Mainz S. 19 ff 
und Kur-Mainz vor Ausbruch des Krieges S. 16. 
u) Gottschämmer: Die Geschichte der Organisation der wirtschaft¬ 
lichen Interessenvertretungen S. 10 ff. 
12) Erste Sammlung deren in Policey und Commercien-Sachen er¬ 
lassenen Churfürstlich-Mainzischen Verordnungen 1752.
	        

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