Full text: Das Mainzer Zunftwesen und die französische Herrschaft

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Die meisten verliessen fluchtartig, ohne Pass, als Spaziergänger 
die Stadt, andere trafen sofort die notwendigen Vorbereitungen 
und folgten bald den bereits Geflohenen. Wie berechtigt diese 
voreiligen Auswanderungen waren, beweisen die am 27. und 
28. März'-1') vom rheinisch-deutschen Nationalkonvent gegen 
„die Nichtschwörenden, ihre Familien und Güter“ und ausser¬ 
dem gegen „die Emigranten“ erlassenen Dekrete, die den in 
der Zeit vom 22. bis 27. März diskutierten Antrag ver¬ 
wirklichten. 
Das durch diese Verordnungen entstandene Entsetzen 
wurde noch erhöht durch die Nachricht, dass auf Beschluss 
der Konventsmitglieder in der Nacht vom 28. zum 29. März sech¬ 
zehn angesehene Mainzer Bürger verhaftet und als Geisel nach 
Frankreich gebracht worden waren.248) Unter diesen befanden 
sich der als Zunftvorsteher bekannte Stadtrat Krebs, die Kauf¬ 
leute Amtmann, Edm. Kayser, Gröser, Werner (der Sohn ging 
für den Vater), Zollbeseher Hellermann, dalberg’scher 
Amtmann Dittler, Buchhändler Alef, Weinwirt Eberhart und 
Dr. jur. Pauli (statt seines Vaters). Am Nachmittage des 
gleichen Tages verhaftete man weitere sechzehn Bürger.249) 
Doch immer noch nicht hatte die Schreckenszeit ihren 
Höhepunkt erreicht. Laut Verordnung vom 7. April250) wurde 
an Stelle „des bisher bestandenen, von dem ajournirten rhei¬ 
nisch-deutschen Nationalkonvent ernannt gewesenen Sicher- 
heits- und Wachsamkeitsausschusses“ ein anderer General¬ 
ausschuss eingesetzt. Dieser liess am 8. April bekanntmachen, 
dass sich am folgenden Tag, morgens um 10 Uhr, 1. alle nicht 
geschworenen Bürger mit ihren Familienangehörigen und 
Dienstleuten, 2. die von den Exportierten zurückgelassenen 
Frauen, Kinder und Dienstleute, 3. die Familienangehörigen 
und das Gesinde der nach der Kapitulation abgereisten Militär¬ 
personen zwecks Ausweisung an der Rheinbrücke einzufinden 
hätten. Diese Verordnung erregte den Widerspruch des sich 
mit Genehmigung der fränkischen Kommissare gebildeten 
Kriegsrates, sowie der Munizipalität. Unter den Nichtgeschwo¬ 
renen befanden sich viele Handwerker, auf die die Besatzungs¬ 
armee infolge der vollkommenen Einschliessung und der be¬ 
ginnenden Beschiessung von Mainz durch die Deutschen an¬ 
gewiesen waren. So hatten die Schuhmacher laut Munizipal- 
247) Dumont: Belagerung S. 159 ff. Klein: Geschichte S. 469 ff. 
Bockenheimer: Die Mainzer Klubisten S. 235 ff. 
248) Dumont: Belagerung S. 166 f. Klein: Geschichte S. 475. 
24B) Bei dem Versuche diese 16 Geisel nach Frankreich zu überführen, 
stiess der Transport auf die Preussen. die die Gefangenen aus den Händen 
der Franken befreiten. 
250) Klein: Geschichte S. 514.
	        
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