Full text: Grundlegung der Dialektik

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Einleitung 
abhängig ist. Denn auf die Entwicklung der philosophischen Arbeit 
wirken der Motive viele ein, gleich wie auch das System der Philo¬ 
sophie auf einer Vielheit verschiedenartigster Bedingungen und Trieb¬ 
kräfte beruht. Zu solchen Bedingungen gehören Beweggründe per¬ 
sönlicher Natur, die aus der seelischen und moralischen Eigenart 
des betreffenden Philosophen, aus seinem Lebenstemperament, seiner 
Gemütsverfassung und Begabung, seinen wissenschaftlichen und 
künstlerischen Neigungen, der Richtung und Qualität seiner Kennt¬ 
nisse, seiner Stellung zur Religion usw. stammen. Das aber ist nur 
eine Gruppe von Voraussetzungen, die durch eine biographische 
und psychologische Betrachtung aufzudecken sind. Zu ihr kommt 
ein Kreis von Bedingungen, die aus der inneren Bewegung der philo¬ 
sophischen Begriffsbildung und aus der geschichtlichen Entfaltung 
der Philosophie hervorgehen, Voraussetzungen, die sozusagen nur 
dem Geiste der Philosophie selber angehören. Da jedoch die Philo¬ 
sophie in vielseitiger Wechselbeziehung zu dem allgemeinen geistig¬ 
geschichtlichen Leben steht, so ist es unausbleiblich, daß auf sie 
auch von dieser Seite her bestimmte Wirkungen einfließen. Zu 
diesen Einwirkungen sind auch die Einflüsse zu zählen, die ihr durch 
die positiven Wissenschaften als Glied der objektiven Kultur in sehr 
verschiedenem Grade zuteil werden. 
Wie sich nun das Verhältnis zwischen der Metaphysik und den 
mathematischen Naturwissenschaften gestalten wird, seitdem über 
dieses Erkenntnisgebiet eine Art von Krisis hereingebrochen ist, 
oder seitdem es wenigstens in das Stadium eines Wandels hineinkam, 
der sogar ihre bis dahin als unerschütterlich angesehenen Grund¬ 
lagen ergriffen hat, das läßt sich nicht Voraussagen. Besonders 
schwierig, wenn nicht unmöglich ist es, schon jetzt zu bestimmen 
oder auch nur zu erörtern, ob jener Wandel in den genannten Wissen¬ 
schaften wirklich einen solchen fundamentalen Umbau schon des 
Grundstockes der Metaphysik nötig macht, wie das von mancher 
Seite prophezeit wird. Vielleicht wird doch hier und da die Trag¬ 
weite jener Krisis bezüglich ihrer Einwirkung auf die Metaphysik 
überschätzt. Doch Erwägungen in dieser Richtung gehören nicht 
in den Zusammenhang, der uns im Augenblicke beschäftigt. 
Für uns steht jetzt im Mittelpunkte unserer Überlegungen die 
Frage nach der Beziehung zwischen der Metaphysik und den Geistes¬ 
wissenschaften. Wir wiesen schon oben darauf hin, daß die blühende 
und glänzende Ausbildung, zu der diese Wissenschaften etwa seit 
dem ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts gelangt sind,
	        
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