Full text: Grundlegung der Dialektik

1. Einleitung 
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in der Gegenwart zu greifbarem Ausdruck in den mancherlei Be¬ 
mühungen um die Schaffung einer neuen, der gewandelten Zeit¬ 
stimmung angemessenen Methode. Diese Tendenz beschränkt sich 
nicht auf ein einzelnes Wissenschaftsgebiet; sie gilt vielmehr dem 
Begriff der Erkenntnis überhaupt. Sie äußert sich in den Umgestal¬ 
tungsversuchen, denen die zeitgenössische Psychologie unterworfen 
wird. Denn die Bestrebungen zur Schaffung einer Struktur- oder 
Gestaltpsychologie, ferner die phänomenologische Psychologie, dann 
die differenzierende, individualisierende, personalistische Psycho¬ 
logie usw. sind zu einem guten Teil aus methodischen Erwägungen 
hervorgegangen und methodisch gerichtet. Ebenso liegt es auf dem 
Felde der phänomenologischen Logik, deren Gegnerschaft gegen die 
traditionelle formale oder gegen die kritische, erkenntnistheoretische 
Logik wesentlich methodischer Natur ist. Auch der Kampf zwischen 
Kritizismus und Psychologismus oder derjenige zwischen Historis¬ 
mus und rein konstruktiver Systematik ist ein mit Weltanschauungs¬ 
momenten verbundener methodischer Kampf. 
Unter diesen mannigfachen Versuchen, die auf die Entwicklung 
einer dem gegenwärtigen Zeitgeist angepaßten und entsprechenden 
Methode hinzielcn, erregen unsere Aufmerksamkeit nun besonders 
die der Erneuerunggerade der Dialektik dienenden Bestrebun¬ 
gen. Denn eine ganze, der Zahl und der sachlichen Bedeutung nach 
wichtige und beachtenswerte Bewegung in der Philosophie der Gegen¬ 
wart strömt auf diesen Punkt zusammen. Und indem sie jene Er¬ 
neuerung bezweckt, sind gerade diese Bemühungen nach unserer 
Auffassung charakteristisch für unsere Zeit. 
Es sei gestattet, als erste Frage unserer Betrachtungen zu 
erwägen, aus welchen allgemeinen Voraussetzungen und Mo¬ 
tiven ein wesentliches und bezeichnendes Stück der Arbeit der 
jetzigen Philosophie zu diesem Punkt konvergiert, und wer von 
den Philosophen der jüngsten Vergangenheit und der 
Gegenwart an dem Problem der Dialektik interessiert ist. Dabei 
möchte ich hier von der Behandlung der naheliegenden, mehr kultur¬ 
geschichtlichen Frage absehen, ob und inwiefern jenes spezifisch 
wissenschaftliche Interesse an der Dialektik als ein Niederschlag 
der allgemeinen Dialektik zu deuten wäre, von der unser gesamter 
Zeitgeist so tief ergriffen ist. 
Jene, aus rein wissenschaftlichen Gründen hervorgehende Be¬ 
wegung zur Dialektik weist wesentlich zwei Hauptrichtungen auf. 
Entweder gestaltet sie sich ausgesprochenermaßen methodologisch,
	        

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