Full text: Grundlegung der Dialektik

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III. Der dialektische Idealismus 
gesetz der Korrelation und vergeht sich gegen den Organismus des 
Logos, in dem jeder Punkt mit jedem anderen in unaufhörlicher 
Wechselbeziehung steht, um schließlich mit dem, für diesen Fall 
unsachlichen Gedanken, besser: mit dem leeren Worte, es läge doch 
ein Parallelismusverhältnis vor, ihren Scheinbau, ihr Kartenhaus zu 
krönen. Eine dualistische Metaphysik ist eine noch größere Un¬ 
geheuerlichkeit als eine monistische Metaphysik. Der Streit, ob 
diese oder jene Metaphysik im Rechte sei, ist nicht etwa nicht zu 
entscheiden: so steht es in bezug auf echte metaphysische Probleme 
und echte metaphysische Antinomien, er ist vielmehr gegenstandslos, 
er ist eine logische Donquichoterie. 
Der soeben erwähnte Streit zwischen Monismus und Dualismus 
ist durch denjenigen Standpunkt, den wir hier als Dialektizismus 
usw. bezeichnen, also nicht etwa gelöst. Die Antinomie: Monismus- 
Dualismus ist im Dialektizismus bereits von Anfang an aufgehoben, 
so daß ihn jener Streit überhaupt nicht mehr berührt und nicht mehr 
beschäftigt. Denn die dialektische Geisteshaltung und Gedanken¬ 
führung versteht und erfaßt von Anfang an das Verhältnis von 
Sein und Denken, Erscheinung und Idee, und wie die Verhältnispaare 
lauten mögen, unter dem Gesichtspunkt der innerlich notwendigen 
Wechselbeziehung. Sie versteht und erfaßt diese Relation, und diese 
Relation ist es, die ihr als die schöpferische und konstruktive Synthese 
für den Gesamtaufbau der geistigen Wirklichkeit gilt. Indem diese 
schöpferische und konstruktive Synthese dialektischer Natur ist, 
trägt die geistige Gesamtwirklichkeit im großen und im 
kleinen die Züge der Dialektik. Der tiefste metaphysische 
Quell aber für diese Dialektik in den aufbauenden Synthesen und 
in der Struktur des Ganzen ist darin gegeben, daß die Vernunft 
selber Dialektik ist. Das hat der Begründer der abendländischen 
Philosophie, das hat Plato mit seiner Ideenlehre gezeigt. Und diese 
grundlegende Erkenntnis ist durch die kritische Philosophie und 
in ihr wiederum erneuert worden. Es ist die Frage und der Streit 
entstanden, ob und in welchem Sinne und Umfange Kant Platoniker 
sei. Er ist es schon deshalb, weil er Dialektiker ist. Er ist es, weil 
jede echte konstruktive Philosophie Dialektik ist. 
Dialektik und Kritik sind bis zu einem gewissen Sinne und in 
nicht unbeträchtlichem Grade Wechselbegriffe. Keine philosophische 
„Kritik“ ist ohne Dialektik möglich und ohne Dialektik durchführ¬ 
bar. Schon oben wurde darauf hingewiesen, daß die Dialektik 
diejenige Methode darstellt, mittels der die Kritik ihre Aufgabe
	        

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