Full text: Grundlegung der Dialektik

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II. Von der Pflicht zur Metaphysik 
Einheit der Vernunft. Deshalb ist jeder Zug in der Entfaltung der 
beiden Gedankenreihen sinnerfüllt, sinntragend, sinngetragen. 
Während im metaphysischen Rationalismus dieser Vernunftsinn 
in seiner Autonomie vorhanden ist, in der Reinheit seiner Idee wirkt, 
hat er in der positiven Forschung die Form der Erkenntnis kon¬ 
kreter Erscheinungen angenommen und sich in diesem Prozesse 
selber konkretisiert und phänomenalisiert, objektiviert und empiri- 
siert. Aber diese Konkretisierung, Empirisierung und Verpositi- 
vierung ist nicht als ein Abfall des Sinnes der Erkenntnis von der 
Unbedingtheit ihres Ursprunges aufzufassen. Der Allmacht der Ver¬ 
nunft, so sagen wir mit Hegel, kann nichts entfliehen, so viele Ge¬ 
stalten das Reich der Erfahrung annehmen mag. Jede Richtung 
und jeder Gehalt dieses Reiches sind auf Grund der transzendentalen 
Bedingungen, die jede dieser Richtungen und Gehalte ermöglichen, 
mit der Wurzel der Vernunft unauflösbar verknüpft. Der dialek¬ 
tisch-spontane Logos ist sowohl im metaphysischen Rationalismus 
als auch in der konkreten Wissenschaft in der unermüdlichen Erzeu¬ 
gung von Sinngebilden wirksam, und in diesem Umstand sind, was zu 
wiederholen gestattet sein mag, beide Gedankenreihen innerlichst 
miteinander verbunden: Sie selber sind die Niederschläge 
dieser sinnschaffenden Tätigkeit der dialektischen Spon¬ 
taneität. Sie beide sind einander Stufe für Stufe restlos koordi¬ 
nierte Gestaltungen, deren eine, das ist der metaphysische Rationalis¬ 
mus, in der Form der Selbstbesinnung das entwickelt und aus¬ 
spricht, was die andere, die konkrete Wissenschaft, positiv tut. Der 
metaphysische Rationalismus trägt die Vernunft als Begriff, die 
konkrete Wissenschaft trägt die Vernunft als objektive Erkenntnis 
in sich. 
Somit können wir das Wesen der gesuchten Beziehung folgender¬ 
maßen ausdrücken: Das Verhältnis zwischen dem metaphysi¬ 
schen Rationalismus auf der einen Seite und der posi¬ 
tiven Forschung auf der anderen Seite hat die Form der 
Umsetzung des objektiven Sinnes der Wissenschaft in 
die Gestalt erkenntnistheoretischer Selbstbesinnung. Hier 
wie dort betätigt sich die beiden gemeinsame Kraft des intellektuellen 
Motivs. Und indem wir das Wesen dieser Beziehung erfassen, erhellt 
sich uns der Gewinn, den die Metaphysik des Rationalismus aus 
dieser Beziehung zieht und seit jeher tatsächlich gezogen hat. 
Dieser Gewinn ist ebenso groß wie solide. Bezeichnen wir ihn 
kurz als Metaphysik der Prinzipien der Vernunft, so ist da¬
	        

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