Full text: Grundlegung der Dialektik

2. Das intellektuelle Motiv 
117 
frei machen, ohne dennoch ihre tatsächlich unlösliche Beziehung zur 
positiven Wissenschaft preiszugeben und uns zur Behandlung der 
eingangs des vorigen Absatzes aufgeworfenen Frage wenden. Wir 
denken bei der Behandlung dieser Frage an eine Beziehung zwischen 
dem metaphysischen Rationalismus und der konkreten Forschung, 
die, wie gesagt, einen viel intimeren Charakter als jede Art von 
enzyklopädischer Synthesen trägt. Behalten wir dabei im Auge, 
daß beide, sowohl der metaphysische Rationalismus (wie der ratio¬ 
nalistische Idealismus) als auch die konkrete Wissenschaft, aus einer 
und derselben Quelle stammen, Kinder derselben dialektischen 
Spontaneität der Vernunft sind. Was sich dort in der Form des 
reinen Begriffs und als ein ideeller Zusammenhang vernünftiger 
Gedanken darstellt, das weist hier den Charakter konkreter und 
gegenständlicher Beziehung auf die Welt der Erscheinungen auf. 
Dort entfaltet sich der Logos in der Reinheit und Absolutheit seiner 
Dialektik, hier verwendet er die Kraft seiner dialektischen Sponta¬ 
neität zur Erfassung und zu dem in dieser Erfassung sich voll¬ 
ziehenden Aufbau der Wirklichkeit. Höchstens kann von einer 
relativen Verschiedenheit in der Entwicklungs- und Bezugsrichtung 
des Logos bei dem metaphysischen Rationalismus und bei der posi¬ 
tiven Wissenschaft die Rede sein. Aber diese Verschiedenheit be¬ 
dingt nicht eine reale Trennung des Logos, nicht ein Auseinander¬ 
treten seiner ursprünglichen Kraft in zwei voneinander geschiedene 
Strömungen, etwa so, daß in der Metaphysik der Hauptstrom und 
in der positiven Forschung nur ein abgeleiteter Nebenarm des Logos 
fließe. Es handelt sich vielmehr nur um verschiedene Stufen 
in der dialektischen Selbstentfaltung des vernünftigen 
Geistes, und zwar dergestalt, daß in der Metaphysik die Sponta¬ 
neität des Logos von keinem anderen Gesetze als von dem Spiel der 
ihr immanenten Dialektik geführt und beherrscht wird, während 
in der positiven Wissenschaft diese Dialektik aus ihrer Tiefe hervor¬ 
tritt und in dem Prozeß dieses Hervortretens die Konstituierung der 
Gegenstandswelt bewerkstelligt. 
So besteht die Beziehung, die wir im Auge hatten, und nach deren 
Wesen wir fragten, in der sie beide, Metaphysik und positive 
Forschung, gemeinsam erzeugenden und sie beide dauernd tragenden 
Dialektik der Vernunft. In jedem ihrer Schritte ist die konkrete 
Wissenschaft durch diese in ihr arbeitende Dialektik metaphysisch 
unterbaut und metaphysisch gesichert. In beiden, in der Meta¬ 
physik und in der konkreten Wissenschaft, waltet die übergreifende
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.