Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

haben, da dessen Neffe Lorenzo in dessen Abwesenheit dort ein Stück 
des Plautus aufführen ließ; Lettere dì principi 1,13. - Palladio errichtete 
in Venedig bereits ein halbrundes Theater, welches nach außen die an¬ 
tiken Formen, »nach Art des Kolosseums«, allerdings nur in Holz, 
scheint gehabt zu haben; dasselbe wurde erbaut für eine einzige Tra¬ 
gödie während eines Karnevals; Vasari XII, A 127, v. di Tadd. Zucchero; 
dagegen ist Palladios erhaltenes teatro olimpico zu Vicenza (1 j 84) außen 
ganz formlos; das Auditorium queroval, oben mit einer Halle. Wäh¬ 
rend letzteres notorisch für Komödien sowohl als für Tragödien diente, 
waren die zwei »sehr schönen, mit größtem Aufwand erbauten« sta¬ 
bilen Theater in Venedig, das ovale und das runde, welche Francesco 
Sansovino, Venezia, fol. 75 anführt (um 1580), nur für Aufführungen 
von Komödien im Karneval bestimmt. Sie faßten eine große Men¬ 
schenmenge. Der Verfasser sagt nicht, daß sie Werke seines Vaters 
Jacopo Sansovino gewesen. 
Eine Zeichnung im Louvre (salles des dessins,première vitrine tournante), 
diese allerdings mit dem Namen Sansovinos, gibt den Längendurch¬ 
schnitt eines Theaters, welches bereits wie dasjenige im Palast von 
Parma (1618, von Aleotti) über dem Auditorium obere Hallenordnun¬ 
gen in der Art von Sansovinos Biblioteca hat; dann, bevor die Seena 
beginnt, eine große Eingangspforte mit Fenster drüber. Allein die 
einzelnen Nischenverzierungen usw. sind für Sansovino schon zu ba¬ 
rock. (Im Theater von Parma ist die Seena bereits ein Tiefbau, für einen 
optisch isolierten Anblick, auch auf Verwandlungen berechnet.) 
Die Anordnung der Sitzreihen mag anfangs dem jedesmaligen Zu¬ 
fall überlassen gewesen sein. Mit der Zeit jedoch ermittelte man sowohl 
ihre richtige Lage zur Bühne, als auch ihre möglichst zweckmäßige 
Einrichtung zum Sehen und Hören. Welches dabei das spezielle Ver¬ 
dienst des Lionardo gewesen, der bei Giovio deliciarum theatralium miri¬ 
ficus inventor heißt, ist nicht mehr auszumitteln. 
§ 193 
Die Seena 
Nachdem früher die Seena auch bei Mysterien nur eine allgemeine deko¬ 
rative Ausstattung gehabt hatte, begann mit dem 16. Jahrhundert eine 
bestimmte Bezeichnung der Örtlichkeiten, teils mehr in idealisierendem 
Sinn, teils mehr wirklichkeitsgemäß. 
Theoretische und praktische Darstellung der ganzen Theaterein¬ 
richtung um 1540 bei Serlio, im II. Buche, fol. 47 ss. - Ein erster Ver¬ 
such, nebst der Seena auch den Raum der Zuschauer würdig zu gestal¬ 
ten, Vasari XI, p. 9 s., v. di Gherardi; - vgl. XIII, p. 96, v. di Jac. Sanso¬ 
vino. 
Die Seena selbst muß zunächst häufig einen symmetrischen, idealen 
Bau dargestellt haben, mit Ausgängen in der Mitte und zu den Seiten,
	        

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