Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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über drei Gestalten von besiegten Provinzen dahinsprengend, nächst 
Lionardo eins der ersten springenden Pferde der modernen Kunst. 
(Nach andern statt der Provinzen drei Flußgötter, aus deren Urnen 
Wasser strömte). - Auch Sodoma muß damals an einem Pferd gearbei¬ 
tet haben. 
Die Reiterstatue, und zwar sprengend, kam später auch bei Cosi- 
mos I. Hochzeit vor, wo dessen Vater Giovanni dalle Bande nere durch 
Tribolo auf diese Weise, und zwar riesengroß, dargestellt wurde. 
Man überbot sich dann im Kolossalen; beim ersten Einzug Alfon- 
sos II. von Ferrara in Reggio 1558 stand auf der Piazza 46 Palmen 
hoch der Gründer der Stadt, M. Lepidus, aus Stukko verfertigt von 
Clementi; Letterepittoriche I, Append. 39; späterer Kolosse, z. B. in Va- 
saris Beschreibung der Hochzeit des Prinzen Francesco Medici 1565, 
nicht zu gedenken. 
Zu all diesem gehörte eine Behendigkeit wie die des Montorsoli, der 
binnen 24 Stunden eine Fides und eine Caritas in Lebensgröße model¬ 
lierte, als Schmuck eines improvisierten Brunnens, welcher während 
des Generalkapitels des Servitenordens floß; Vasari XII, p. 26, v. di 
Montorsoli. 
Die Künstler kamen bei solchen pressanten Arbeiten in eine Art von 
Taumel hinein, und wenn dann mit gutem Wein nachgeholfen wurde, 
meldeten sich Ideen, die wenigstens während des Festjubels als das 
Brillanteste von der Welt galten; Vasari XI,/). 319, v. di Batt. Franco. 
Und wenn einer todmüde auf ein Bündel Laub sank, konnte es ihm be¬ 
gegnen, auf die schmeichelhafteste Weise geweckt zu werden, wie z. B. 
dem Vasari selbst, Lettere pittoriche III, 12. 
Beim Volk gelangte man durch solche Arbeiten des Augenblickes zu 
einem ungemeinen Ruhm; Armenini,/). 71. 
§ i92 
Der Theaterhau 
Dramatische Aufführungen, lange nur bei festlichen Anlässen üblich, 
fanden in Höfen und Sälen der Großen und Prälaten, auch wohl auf 
öffentlichen Plätzen statt. Erst spät beginnen stehende Theater, und diese 
bringen es dann noch lange zu keiner äußern Kunstform. 
Uber das Theaterwesen vgl. Bd. »Kultur der Renaissance« dieser 
Ausgabe, 170,188 f., 213 f., 273 f. 
Die Tragödie blieb eine Sache des höhern momentanen Luxus; die 
ersten Theater, welche wenigstens eine beträchtlichere Zeit hindurch 
als solche eingerichtet blieben, dienten nur für Komödien; Vasari XI, 
p. 212, v. di Aristotile (in einem Saal des Kardinals Farnese zu Rom); - 
XI, p. 328, v. di Batt. Franco (in einem Gebäude an der Via Giulia). 
Schon früher, im Jahr 1515, muß das Lokal des Giuliano Medici, Bru¬ 
der Leos X., wenigstens einige Zeit in voller Ausstattung dagestanden
	        

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