Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Von prachtvollen Waffen ist öfter die Rede, doch möchte aus dem 
15. Jahrhundert kaum etwas Namhaftes davon erhalten sein. 
Silberne Helme als Geschenk von Regierungen an ihre Kondot- 
tieren; Siena an Tartaglia 1414, Florenz an Federigo von Urbino 1472, 
letzteres Werk von Pollajuolo; Vasari V, p. 100, Nota und p. 105 im 
Kommentar zu v. di Pollajuolo. - Die Waffen und Geräte Karls VI1L, 
erbeutet 1495 in der Schlacht am Taro (Malipiero, ann. veneti, archiv. 
stör. VII, I, p. 371) gehörten ohne Zweifel nordischer Kunst an: der 
goldene, gekrönte Schuppenhelm mit Email, der Degen, das Siegel- 
kistchen, das goldene Triptychon, angeblich von Karl dem Großen 
stammend. 
§ 183 
Goldschmiedekunst der Hochrenaissance 
Die Goldschmiedekunst des 16. Jahrhunderts wird sich im Verhältnis 
zu derjenigen der Frührenaissance durch größere Freiheit und Flüssigkeit 
alles Dekorativen, durch erhöhte Kenntnis des Wirkenden ausgezeich¬ 
net haben. 
Wir müssen hypothetisch sprechen, da uns eine genügende Über¬ 
sicht der Arbeiten des 15. Jahrhunderts gänzlich und derjenigen des 
folgenden großen Teils fehlt. 
Großer Reichtum an Nachrichten in der Selbstbiographie des Flo¬ 
rentiners Benvenuto Cellini (1500-1572), zumal in der ersten Hälfte; 
seine Arbeiten in jedem Zweige dieser Kunst: Kelch, Agraffe für das 
päpstliche Pallium, Reliquienbehälter, Deckel eines Horenbuches, Sie¬ 
gel, Trinkgefäße, große Kühlbecken, silberne Gefäße jeder Art, Salz¬ 
fässer, wovon eines hochberühmt und noch (in Wien) erhalten, Leuch¬ 
ter (wovon einige noch im Schatz von S. Peter vorhanden sein sol¬ 
len), Kleinodien, weiblicher Schmuck, Ringe, Gürtelschnallen, Gold¬ 
damaszierung von Stahlklingen usw., der Statuen, Reliefs und Medail¬ 
len nicht zu gedenken. Seine beiden Trattati sind besonders für letz¬ 
tere Gattungen belehrend. (Tratt. I, cap. 5: über die kleinen goldenen 
Kruzifixe, welche bei den Kardinälen um 1530 Mode wurden, haupt¬ 
sächlich Arbeiten Caradossos.) 
Im ganzen scheint für ihn charakteristisch die bewegte, quellende, 
von den Architekturformen endlich völlig emanzipierte Bildung der 
Gefäße und Geräte; ihre Auflösung in lauter Laubwerk, Kartuschen, 
Masken u. dgl., und dazwischen kleine Felder mit den zierlichsten Re¬ 
liefs usw. 
Andere berühmte Namen werden wenigstens genannt als Vorzeich¬ 
ner von Entwürfen für Metallarbeiter; Raffael lieferte 1510 die Zeich¬ 
nung zu einer großen ehernen Schüssel mit erhabenen Ornamenten, 
welche ein gew. Cesarino für Agostino Chigi ausführte; Quatremere,
	        

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