Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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Attitüden, nackte Gestalten jeder Art und Farbe, bisweilen als Trag¬ 
figuren, ja als Hermen; - ferner Genien, besonders Kinder (Putten) 
in Menge; Sirenen, Züge von Tritonen und Nereiden als Friese; - auch 
Tritone und Nereiden zu zweien, Medaillons haltend; - einzeln und 
scheinbar oft in Nischen: Helden und Philosophen, ohne Namen und 
bestimmte Beziehung. 
Das Religiöse nimmt bald nur ein Hauptbild nach alter Art, bald die 
ganze Fassade in Anspruch. 
Hauptbilder: Kruzifixus mit Heiligen, Madonna mit Heiligen; Para¬ 
dies oder Sündenfall; - alles mit Genreszenen derber Art verträglich, 
wie eine Fassade in Verona beweist. 
Gehört die ganze Fassade dem christlichen Bilderkreise an, so er¬ 
scheinen noch andere biblische Geschichten; - als Füllfiguren Prophe¬ 
ten, christliche Tugenden; - als Friese: die Völker, welche der Roma- 
Fides ihren Tribut bringen, Türkensiege, Taten Simsons u. dgl. 
Allegorien kommen in der guten Zeit wenige und offenbar mehr um 
der Schönheit des Motives willen gewählte vor. 
So am Fondaco de’ Tedeschi zu Venedig (seit 1504, mit den herr¬ 
lichsten Malereien des Giorgione, Tizian u. a. ringsum, wovon jetzt 
kaum mehr ein Schimmer sichtbar) die berühmte Figur Tizians, welche 
bald als Judith, bald als Germania galt; anderswo Venezia als Löwen¬ 
reiterin. - Dann die eben genannte Roma mit den Attributen der Fides. 
Zeremonien und Aufzüge finden sich hauptsächlich in Friesen; an 
Triumphzüge jeder Art waren Poesie und Malerei längst gewöhnt. 
Uber die Triumphe vgl. Bd. »Kultur der Renaissance« dieser Ausg., 
S. 283 ff. Es sind Züge von Kriegern, Gefangenen, Senatoren, Trägern, 
welche Beute, zumal kostbare Gefäße, auch Tribute überwundener 
Völker bringen usw.; auch antike Spiele, Wagenrennen, dann als hei¬ 
tere Parodie Triumphe von Kinderfiguren, Kriegszüge bewaffneter 
Kinder; endlich Züge von Pilgern. 
Das Profan-Erzählende beginnt mit mythologischen Szenen bisweilen 
ohne genau bestimmte Beziehung; dann folgt die Urgeschichte der be¬ 
treffenden Stadt, endlich römische und auch wohl idealisierte gleichzei¬ 
tige Geschichte. 
Kämpfe des Herkules, Sturz der Giganten, Geschichte der Niobe 
(Polidoro), Ereignisse aus der Odyssee, Schmiede Vulkans (Raffael), 
Mars und Venus, und als Probestück der Verkürzung: der schwebende 
Merkur. 
Urmythen von Rom (an Fassaden aus Polidoros Zeit), von Cortona 
usw.; - Geschichten Alexanders d. Gr., Cäsars usw.; - als Verkür¬ 
zungsprobe : der Sprung des M. Curtius (auch bei Holbein). 
Von Zeitereignissen: Karls V. Einnahme von Goletta.
	        

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