Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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IV. Kapitel 
ARBEITEN IN HOLZ 
§ 15° 
Abnahme der Bemalung seit dem 14. Jahrhundert 
Die Verzierung hölzerner Wandbekleidungen, Sitze und Geräte hatte 
im Mittelalter hauptsächlich in Bemalung und Vergoldung bestanden. 
Ein höherer dekorativer Stil konnte erst beginnen, als sich auch die Holz¬ 
arbeit rein auf die plastische Form und daneben auf das Einlegen von 
Zeichnungen mit Hölzern verschiedener Farbe (Intarsia) verließ. 
Wenn selbst die Marmorskulptur der pisanischen Schule noch bis¬ 
weilen polychromatisch war und wenn im Norden der hölzerne ge¬ 
schnitzte Schrein bis spät in reichen Farben prangte, so darf es nicht be¬ 
fremden, daß z. B. in Siena noch 1370 ein Holzleuchter, 1375 ein 
Stimmzettelkasten, 1380 ein Reliquienschrein und 1412 ein Sakristei¬ 
schrank, sowie ein ganzes großes Chorstuhlwerk (s. unten) mit Be¬ 
malung Vorkommen; Milanesi I, p. 29, 31, 46. Giotto hatte ja die Sa¬ 
kristeischränke von S. Croce in Florenz mit seinen berühmten Täfel¬ 
chen (Leben Christi und des hl. Franz) geschmückt. - Auch der Archiv¬ 
schrank, den die Florentiner 1354 mit 22 Goldgulden bezahlten, war 
wohl ein farbiges Prachtwerk; Gaye, carteggio I,p. 507. 
Die rein plastische Ausbildung des einrahmenden Elementes konnte 
sich erst vollziehen, als vor allem die Flächen nicht mehr der Malerei, 
sondern dem gedämpftem Vortrag der Intarsia gehörten, mit welchem 
nun die geschnitzten Teile ein harmonisches Ganzes ausmachen sollten. 
Die letzte Werkstatt, aus welcher bemalte Holzarbeit jeder Gattung 
in großer Menge hervorging, die des Neri de’ Bicci, vgl. Vasari II,_/>. 
2 5 6, Komment, zu v. di Lor. Bicci. 
Die Intarsia ist eine jüngere Schwester des Mosaiks und der Glasmale¬ 
rei. Sie setzt, wie alles absichtliche Verzichten auf reichere Darstellungs¬ 
mittel, schon eine hohe Verfeinerung des künstlerischen Vermögens 
voraus. 
Eine frühe Stätte derselben war in Orvieto, dessen Mosaikfassade 
auch dem Holzmosaik rufen mochte. Die frühsten bekannten Arbeiter 
aber, welche 1331 das Stuhlwerk des Chores mit eingelegter Arbeit aus 
Ebenholz, Bux, Nußholz und Albuccio versahen, waren fast lauter 
Sienesen, und ebenso der damalige Dombaumeister Giov. Ammanati, 
welcher die Vorzeichnung angab; (Deila Valle) storia del duomo di Or¬ 
vieto, p. 109 und Doc. 31. Vgl. Milanesi I, p. 199. - Dazwischen kom¬ 
men jedoch wieder bemalte Arbeiten, und zwar in Siena selbst, wo das 
bereits berühmte Stuhlwerk des Domchors von 1239 (/. c., p. 139)
	        
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