Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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lieh und in Venedig das einzige. Seine reichere Kunstform im spätem 
Mittelalter die eines großen korinthisierenden Kapitells, auch wohl mit 
figürlichen Zutaten. Sein Überbau, zum Tragen der Rolle für die Eimer¬ 
kette, von Schmiedeeisen. (Reiches Beispiel der letztem Art laut Pho¬ 
tographie im Palazzo Saracco in Ferrara.) 
Der wichtigste Brunnentypus des Spätmittelalters in Italien ist der 
Stadtbrunnen, dessen Wasser meist mit großen Opfern erkauft wurde 
und erst wenn die Stadt das betreffende Quellgebiet in Besitz hatte. An¬ 
sehnliche Städte haben bis heute nur einen dieser Art, welcher bei Tag 
und Nacht als einziges gutes Trinkwasser heimgesucht wird; künstlerisch 
meist nur mäßig ausgestattet. 
Im Norden der gotische Brunnstock mit Röhren, von selbst auf die 
Formen und auf den bildlichen Schmuck einer Kirchenfiale angewie¬ 
sen; später oft ausgehend in eine größere Heiligenstatue. Ausnahme: 
der 1408 in Zinn gegossene Brunnen beim Rathaus in Braunschweig; 
drei Schalen übereinander, mit vielfacher Erscheinung des Wassers. 
In Italien besitzt noch Viterbo (bei Aeneas Sylvius als brunnenreich 
gerühmt) zwei Brunnstöcke aus gotischer Zeit: Fontana Pianoscarana 
und Fontana grandey letztere bereits mit zwei oberen Schalen, welche 
besonders Spritzwasser tragen; das Figürliche beschränkt auf Löwen¬ 
köpfe. 
Siena hat tiefliegende große Becken, von welchen nur Fonte gaja des 
plastischen Schmuckes wegen zu erwähnen sein wird. (Über das sie- 
nesische Wasserwesen überhaupt: Milanesi, Documenti, I, p. 247; II, 
p. 44-52; 76-80; 96-101; 374, 447; III,/. 278, 306. Die Stadt war sehr 
stolz darauf und hatte es nicht gerne, wenn die Brunnen bei Anwesen¬ 
heit angesehener Fremder dürftiges Wasser hatten.) Von den mittel¬ 
alterlichen Brunnen von Florenz fehlen die näheren Kunden. (Das 
Hauptquellgebiet, der Monte Murello, ist nicht wasserreich.) 
In Perugia die berühmte Fontana grande (1274-1280) mit drei Bek- 
ken; der plastische Schmuck, von pisanischen und florentinischen Mei¬ 
stern, außer dem Kunstwerk wichtig als reichster Beleg dessen, was 
damals Phantasie, Wissen und Religion mit einem Stadtbrunnen zu 
verbinden wagten. 
Mit dem Eintritt der Renaissance geht die reichere Anwendung des 
Brunnenwesens mehr auf die Wohnungen und Gärten der Fürsten und 
Mächtigen über. Als Träger der jetzt vorgeschrittenen Hydraulik sowohl 
als der künstlerischen Ausstattung treten vorzüglich Florentiner auf. Die 
Auffindung antiker Schalen, zumal reich gebildeter in Marmor, sowie die 
frühe Prachtanwendung des neuen Stiles in den oben (§ 146) erwähnten 
Weihbecken mögen die Zierformen stark beeinflußt haben. Wassergötter 
und andere Wasserwesen des Altertums, jetzt in die ganze neue Dekora¬ 
tion ohnehin aufgenommen, waren der Brunnensymbolik besonders
	        

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