Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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§ 140 a1 
Die Brunnenversyermg 
Die Verbindung des belebten Wassers mit den Kunstformen der Archi¬ 
tektur und Skulptur, ohne Zweifel schon sehr frühe bei den verschie¬ 
denen Völkern des Altertums erreicht und als eine der erfreulichsten Auf¬ 
gaben hochgeschätzt, hat verhältnismäßig in Denkmälern und Aufzeich¬ 
nungen nur sehr wenige Erinnerungen hinterlassen. 
Aller Brunnenschmuck ist hinfällig, schon weil selbst bei sorgfältig¬ 
ster Ausführung die Feuchtigkeit die Verbindung der Steine im Laufe 
der Zeit auflöst und weil der Wasseraufwand wandelbar ist; den bild¬ 
lichen Zutaten können Religionswechsel und auch Geschmackswech¬ 
sel verderblich werden. 
Die Ruhe des römischen Reiches gewährte einst der Hauptstadt einen 
sonst wohl nirgends mehr erhörten Wasserluxus, und auch die Provin¬ 
zialstädte konnten ihre Mittel dafür reichlich aufwenden. Die Renais¬ 
sance hatte eine mahnende Erinnerung daran vor Augen in Gestalt von 
Ruinen der Aquädukte und Thermen. Wie weit sie auch Brunnen der 
byzantinischen Welt und der islamitischen Paläste und Moscheen ge¬ 
kannt haben mag, bleibt dahin gestellt. 
Dauernd aus der christlichen Kaiserzeit überliefert der Cantharus, 
d. h. der fließende oder sogar springende Quell im Vorhof oder am 
Eingang einer Kirche, bisweilen mit einem Dach auf Säulen (die her¬ 
vorragendsten Beispiele bei Holtzinger, die altchristliche Architektur 
in systematischer Darstellung, S. 14 ff.). - Vermutliches frühes Ver¬ 
dienst der Klöster im ganzen Abendlande, durch gegenseitige Mittei¬ 
lung sowohl dessen, was die fortlebende Praxis der Hydraulik als was 
den etwaigen Schmuck betraf. Neben dem Hauptbrunnen im Haupt¬ 
hofe kommt der in der Nähe des Refektoriums zum Händewaschen 
vor. (Im Kloster Lobbes an der Sambre war gegen Ende des 10. Jahr¬ 
hunderts das Vorgemach des Refektoriums durch unterirdische Lei¬ 
tung mit einem Brunnen versehen, welcher springend emporquoll über 
einer obern Schale und dann durch vier Öffnungen derselben in eine 
untere Schale abfloß; Pertz, Monumenta, Scriptores, Tom. VI, Gesta ab- 
batum Lobiensium, cap. 29). Anderswo mußte für den selben Zweck ein 
bloßes Gießfaß mit einigen Mündungen genügen, deren jede ihren 
schließbaren Hahn, obex, hatte. (So im Kloster Gorze bei Metz; Pertz 
a. a. O., vita Johannis Gortjensis, cap. 63, ebenfalls im 10. Jahrhundert.) 
Die Becken der Taufkirchen, nicht durch einen Quell, sondern durch 
hineingeschüttetes Wasser gefüllt, konnten durch ornamentalen oder 
auch figürlichen Schmuck vorbildlich wirken. 
Einfachste Gestalt der Becken: der steinerne Pozzo oder Sodbrunnen, 
noch heute in vielen Städten von Italien als Hausbrunnen allgebräuch- 
1 Vgl. S. 44, Anmerkung i.
	        

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