Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

lieh ausgeführt waren, beweisen alte Abbildungen im Speculum romanae 
magnificentiae. An ihre Stelle traten später Zeughaus, Bibliothek und 
Braccio nuovo, so daß die majestätische Längenperspektive des Hofes 
und Gartens verlorengegangen ist. Bandinelli erwähnt weiter Anlagen, 
welche Raffael für Leo X. und für Clemens VII. gemacht habe; letzteres 
nur dann richtig, wenn Raffael in Villa Madama für den Kardinal Giu- 
lio Medici, spätem Papst Clemens, auch den Garten angelegt haben 
sollte. 
Die Treppe, welche bald auch in den Palästen um des symmetrischen An¬ 
blickes willen sich zur Doppeltreppe ausbildet (§ 106), wird in Gärten 
hohem Stiles schon früher verdoppelt. Die mittlern Absätze, womöglich 
in der Hauptachse der ganzen Villa liegend, verlangen nun eine besondere 
Ausstattug, hauptsächlich durch Grotten mit Brunnen. 
Zwei Doppelrampen übereinander, mit einer Art von Grotten, in 
dem ebengenannten großen Hof Bramantes. 
Früher symmetrischer Treppenbau mit Marmorbalustraden und so¬ 
gar mit Hallen im untern Garten des Pal. Doria zu Genua, von Montor- 
soli seit 1529. 
Hauptbeispiel auch hierfür: Villa d’Este zu Tivoli (§ 120, 124), wo 
indes die Doppeltreppen und deren mittlere Nischen usw. schwerlich 
alle der ersten Anlage von 1549 angehören mögen. 
Von Alessis Villen: Villa Pallavicini. 
Die kleinern, mehr zierlichen Elemente, wie Blumenbeete, Orangen¬ 
pflanzungen, Statuen, kleinere, schmuckreiche Fontänen, früher durch 
den ganzen Garten zerstreut, werden gegen Mitte des 16. Jahrhunderts 
ausgeschieden zu einem sogenannten Prunkgarten (auch giardinetto) d. h. 
zu einem besonders regelmäßigen Parterre in der Nähe des betreffenden 
Palastes oder Villengebäudes. Die Lage ist womöglich vertieft, windstill 
und gegen Süden, die Wege sind mit Steinplatten belegt. Der Stil ist 
nahe verwandt, ja fast identisch mit dem der Gärten in Palasthöfen. 
Bereits vorhanden in dem großen Garten hinter dem Vatikan, offen¬ 
bar als sonniger Spazierort in den kältern Jahreszeiten. Später all¬ 
gemeines Requisit der großem Villen. (Ob dieser äußere vatikanische 
Garten, welcher u. a. die Villa Pia, § 117, 120 enthält, eine Anlage des 
jüngern Ant. da Sangallo sein mag? Ein Plan »per la vignia del Papa« 
platten gepflastert, zwischen welchen regelmäßig angeordnet die schönsten 
Orangenbäume emporstiegen; in der Mitte lagen, einander gegenüber, Tiber 
und Nil mit Brunnen verbunden; in Nischen standen der Apoll und der Lao- 
koon, in der Nähe des letztem die vatikanische Venus; an der Halle gegen den 
hintern vatikanischen Garten hin (scheint es) war eine Fontäne, welche die 
Pflanzen des Gartens tränkte. - Unter Julius und Leo war dies alles sehr zu¬ 
gänglich; Hadrian VI. beschloß schon in Spanien alles zu sperren; Lettere di 
principi I, 87.
	        

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