Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

§ 1 *4 
Der Plat% im monumentalen Sinne 
Von großem neuen Gesamtanlagen oder Umbauten kommen zunächst 
die Piazze in Betracht, welche vielleicht seit dem Altertum die Stelle des 
Forums der betreffenden Stadt eingenommen und sowohl durch ihre 
Hallen als durch die anstoßende Kirche (oder Hauptkirche) an dessen 
Portiken und Tempel erinnert hatten. Auch für Plätze zweiten Ranges 
und für Märkte wurde eine schöne und regelmäßige Ausstattung wenig¬ 
stens erstrebt. Das Vermieten der Lokale hinter den Hallen galt auch für 
den Staat, wenn er Eigentümer war, nicht als etwas Unehrenhaftes. 
In Venedig hatte der Markusplatz um 1490 gegenüber den alten Pro- 
kurazien ein ähnliches Hallengebäude, und in beiden waren die Erd¬ 
geschosse als Buden vermietet. An der Piazetta ging, dem Dogenpalast 
gegenüber, ebenfalls eine Halle hin, welche das Erdgeschoß von Bu¬ 
den und Gasthöfen bildete. Schwerer zu entschuldigen ist, daß auch 
die obere Halle des Dogenpalastes dem Kram überlassen war; Sabel- 
licus, de situ venetae urbis,fol. 89 s. Selbst um die beiden Säulen herum 
hatten sich Buden und Ärgeres angenistet; erst 15 29 wurde dies alles 
entfernt und der Blick gegen das Wasser frei gemacht. Vasari XIII, 
p. 83, v. di Jac. Sansovino; - Sansovino, Venezia, fol. 116. 
Das Projekt eines prachtvollen Hallenplatzes als Zentrum des gro¬ 
ßen, systematisch neu anzulegenden Handelsquartiers am Rialto, Va¬ 
sari IX, 162 ss., v. di Fra Giocondo; statt seines Plans später die ein¬ 
fachem Bauten des Scarpagnino und Sansovino. 
Wie sehr die Piazza als Verkaufsort aufgefaßt wird, zeigt Savona- 
rola, bei Murat. XXIV, Col. 1179, welcher die Plätze von Padua nach 
der Zahl ihrer Buden klassifiziert. 
In Florenz gestaltete sich der Annunziatenplatz erst im Lauf der Zeit 
symmetrisch, indem zu Brunellescos Halle der Innocenti ein Gegen¬ 
stück durch Antonio da Sangallo d. ä. erbaut wurde; die äußere Vor¬ 
halle der Kirche selbst, welche die Hauptfronte des Platzes bildet, ist 
erst seit 1600 hinzugefügt. Die Breite der einmündenden Straßen 
nötigte hier zur Errichtung von lauter einzelnen Hallen. 
Anders mag Michelangelo gedacht haben, als er Cosimo I. anriet, 
das riesige Motiv der Loggia de’ Lanzi um den ganzen Signorenplatz 
herumzuführen. Vasari II, 130, Nota, v. di Orcagna. Man hätte damit 
alle Straßenzugänge ebenfalls überwölbt. 
Die Anlage eines Platzes zugunsten des Anblickes eines Gebäudes 
wurde in Florenz wenigstens frühe erstrebt; Vasari III, p. 237, v. di 
Brunellesco, welcher zwischen dem Chor von S. Spirito und dem Arno 
einen Platz verlangte. (Ähnliches vgl. bei Milanesi II, p. 225 für eine 
Kapelle zu Siena 1444.) 
Der Florentiner Alberti nimmt (L. VIII, c. 6) das Rezept zu seinem 
Forum aus Vitruv und verlangt für dessen Eingänge Triumphbogen.
	        

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