Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

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nicht ausgeführt. A. mußte einen Vorderbau und zwar einen gotischen 
mit Kapellen beibehalten und neu dekorieren; auf diesen wäre eine 
Kuppel von den Proportionen des Pantheon oder der Thermenrund¬ 
säle gefolgt; umsonst stellte A.’s Bauführer Manetti die Theorie auf, 
eine Kuppel sollte doppelt so hoch als breit sein. 
Der Kuppelbau an der Annunziata zu Florenz, gestiftet 1451 von 
dem Feldherrn des Staates, Lodovico Gonzaga von Mantua, welcher 
darin Beute, Waffen und Fahnen seiner Kriegszüge anbringen wollte; 
eine Nische oder Kapelle sollte wahrscheinlich sein Grab enthalten. 
Es ist eine Nachbildung des Thermenraumes Minerva medica zu Rom, 
rings oben mit Fenstern, unten mit Nischen, gegen die Kirche mit 
einem großen Bogen geöffnet, außen Rohbau, innen modernisiert. Va- 
sari IV, p. 59, Nota, v. di Alberti, und Gaye, carteggio I, p. 225 ss. Im 
Nachlaß Manettis, welcher auch hier Bauführer war, kommt das Mo¬ 
dell eines »Rundtempels« vor, Gaye, /. c. I, p. 171, ohne Zweifel von 
einem dieser beiden Bauten. - Auch im Lehrbuch de re aedificatoria L. 
VII, c. 10 vgl. 15, übergeht Alberti den wahren Zentralbau; höchstens 
daß er von runden Basiliken, d. h. Bauten wie S. Stefano rotondo 
redet. Er vermischt absichtlich christliche und heidnische Rundbauten 
und gibt die Proportionen der Höhe zum Durchmesser nach seinen 
Vermessungen an. 
§ 64 
Spätere Zentralbauten des 1 /. Jahrhunderts 
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kommen Versuche, Nach¬ 
richten und Idealpläne, doch auch bedeutende noch vorhandene Lösun¬ 
gen des Problems vor. 
Bei Polifilo (§32) der Durchschnitt eines runden, innen auf einem 
Kreis von Pfeilern mit vortretenden Säulen ruhenden Kuppelbaues mit 
Umgang; außen Pfeiler mit Halbsäulen und von diesen gegen die Kup¬ 
pel hinauf reiche Strebebögen. - Eine zweite Beschreibung gilt einer 
Ruine in der Art der Minerva medica. 
Was ist aus der berühmten Rotunde Mantegnas geworden? Vasari V, 
p. 231 im Kommentar zur v. di Mantegna. 
Francesco di Giorgio in seinem Traktat (§31), Lettere sanesi III,p. 117: 
»Es gibt drei Hauptgestalten der Kirchen, auf welche man die unzählig 
vielen vorhandenen zurückführen kann: die vollkommenste ist die 
runde, die zweite ist die viereckige oder mit einzelnen Fassaden, die 
dritte ist aus beiden zusammengesetzt.« Jedenfalls gilt der Zentralbau 
auch hier als das Höchste. 
Das ältere Brüderpaar Sangallo reicht in der Form des griechischen 
Kreuzes bei kleinerem Maßstabe bereits nahe an die Vollkommenheit.
	        

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