Full text: Die Baukunst der Renaissance in Italien

86 
immer dem Grundplan nach, welcher hier entscheidet, als ein Palast¬ 
oder Thermenraum Maximians des Herkulischen, um 300; unter Galla 
Placidia im 5. Jahrhundert nur umgeweiht zur Kirche. Die Gründe 
muß ich hier schuldig bleiben.) 
Die Baptisterien, zum Teil mit Umgängen, hielten die Übung des 
Zentralbaues wach; in Florenz erhielt sogar die Kathedrale diese Form 
(§ 17, 19). Vgl. den »alten Dom« zu Brescia. Erst das Gotische gab 
dem Langbau wieder das Übergewicht. 
Im Zentralbau herrscht der Mittelraum, womöglich in Gestalt einer 
hohen Kuppel,'gleichmäßig über alles übrige, mögen es vier gleiche 
Kreuzarme oder ein Kranz von Kapellen oder von Umgängen sein. Er 
soll innen schön über dem lichten Unterbau schweben, außen mächtig 
darüber ragen. 
Bei der Anordnung von vier gleichen Kreuzarmen, welche mit der 
Zeit die vorherrschende wurde, fiel auch jedes Bedenken weg in be¬ 
treff des Hochaltars, dem man auf diese Weise einen verschließbaren, 
besonders geweihten Raum ersten Ranges, den hintern Kreuzarm ge¬ 
ben konnte. In der Mitte des Baues wollte man ihn nämlich niemals 
anbringen, und eine Stelle innerhalb eines bloßen Umganges von Hal¬ 
len u. dgl. war nicht ehrenvoll genug. Bei achteckigen Kirchen wid¬ 
mete man ihm daher einen besondern Ausbau, opferte aber die Ein¬ 
heit des Planes, die man beim griechischen Kreuz retten konnte. 
Mit dem Zentralbau ist das Wölben wesen dich und unvermeidlich ver¬ 
bunden. 
Alle runden und polygonen Räume verlangen einen obern Abschluß, 
der ihrem Grundplan analog ist. Die oft überaus zusammengesetzten 
Zentralbauten enthalten bisweilen alle möglichen echten und gemisch¬ 
ten Wölbungsarten, welche in der Hauptkuppel gleichsam ihre Her¬ 
rin finden. Doch erhält diese erst spät den hohen lichtbringenden Zy¬ 
linder und im Äußern die Kalottenform. 
Diese Bauweise in ihrer Vollkommenheit verwirklicht alle Ideale der 
Renaissance: absolute Einheit und Symmetrie, vollendet schöne Gliede¬ 
rung und Steigerung des Raumes, harmonische Durchbildung im Innern 
und Äußern ohne müßige Fassaden und die herrlichste Anordnung des 
Lichtes. 
Wir nehmen bei unserer Betrachtung auch solche Bauten mit, wel¬ 
che zwar den Chorbau einer Langkirche bilden, aber offenbar eher im 
Sinne von Zentralanlagen und mit dem Wunsche danach komponiert 
sind. Letztere waren und blieben die höchste Angelegenheit dieser gro¬ 
ßen Bauepoche, welche alle ihre Kräfte dafür aufwandte, sobald sie 
irgend durfte. Ihre schwachen Seiten beginnen erst da, wo ihr dies hohe 
Ziel aus äußern Gründen versagt wird.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.