Full text: Der Mensch und die Welt

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Das Geistige und seine Formen 
sogenannten Furchung zerlegt hat, voneinander trennt, so 
bildet sich aus jeder dieser nunmehr isolierten Zellen ein 
verkleinerter, aber ganzer Organismus. Wenn man um¬ 
gekehrt zwei Eier mit gleichgerichteten Achsen zur Ver¬ 
schmelzung bringt, so entsteht ein „Riese“. 
Was heißt das? Es bedeutet, daß aus einem organischen 
Material, welches ungestört „Eines“ ergeben hätte, „Vie¬ 
les“, nämlich Zwillinge oder Vierlinge, werden kann. Und 
umgekehrt kann ein zu Vielem bestimmtes Material Eines 
liefern. 
Das gilt zunächst von der organischen Form. Aber es 
gilt auch von der Seele der in Frage kommenden Wesen: 
Wo eine Seele gewesen wäre ohne Eingriff des Experimen¬ 
tators, da sind jetzt mehrere Seelen, und umgekehrt. Frei¬ 
lich sind es die Eier von Seeigeln, Molchen, Fischen und 
anderen „niederen“ Tieren gewesen, an denen die geschil¬ 
derten Versuche ausgeführt worden sind, und von deren 
„Seele“ wird man vielleicht nicht viel halten. Aber man 
kann sich die Versuche am Ei des Menschen sehr wohl 
ausgeführt denken, wenn auch praktisch mit dem 
menschlichen Ei nicht experimentiert werden kann. Und 
der Mensch hat ja doch wohl eine Seele! 
Bei Regenerationen, z. B. wenn man einen Wurm be¬ 
liebig zerstückelt und nun in kurzer Zeit soviel ganze 
Würmer sich bilden sieht, wie Stücke da sind, liegt ähn¬ 
liches vor. 
Und schließlich haben doch auch alle Eier eines weib¬ 
lichen, alle Spermien eines männlichen Individuums in 
einem frühen embryonalen Stadium der Mutter oder des 
Vaters einmal eine Zelle gebildet, sind von einer Zelle, 
als ihrer „Anlage“, ausgegangen. 
f Dies alles lehrt reale Übergänge aus Einheit in Vielheit 
und umgekehrt auf organischem, aber zugleich auf 
seelischem Gebiet. 
% 
Da nun aber „Seelen“ und organische Ganzheitskräfte 
sich doch wohl nicht gut „teilen“ oder miteinander „ver¬ 
schmelzen“ können — man denke* auch daran, daß zum 
befruchteten Ei, das einen Organismus liefert, zwei
	        

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