Full text: Der Mensch und die Welt

Das Geistige als Solches 
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Meine Seele endlich ist für „mich“ ja, wie wir gesehen 
haben (S. 24), nur eine theoretische Konstruktion, gesetzt, 
um „mir“ die geordnete Abfolge „meines“ Erlebens 
einigermaßen verständlich zu machen. Hier kommt keine 
besondere Form des „Bandspannens“ in Frage. Der 
eigentliche Erwerb des Wissens geht hier auf mein 
Erinnerungsleben zurück; auf Grund der Gesamtheit 
des in diesem Wege Erworbenen schaffe ich eben 
theoretisch den Begriff meine Seele und meine damit 
ein Subjekt, welches zum Ich in Beziehung steht, aber 
nicht dasselbe, sondern mehr ist als „ich“, und wel¬ 
ches nicht nur „weiß“, sondern auch „tut“ — was mir 
versagt ist. — 
Besondere Wissensinhalte also werden auf die ge¬ 
schilderten normalen und abnormen Weisen erworben; 
daß aber überhaupt Wissen da ist, das wird nicht er¬ 
worben, das ist, um ein Goethesches Wort zu gebrau¬ 
chen, Urphänomen. 
Warum nun ist unser Wissen seinem gesamten In¬ 
halte nach nicht in Vollendung „angeboren“, also so, wie 
es die allgemeinsten Wissensformen, die logischen und 
mathematischen, für uns sind? 
Oder sollte das vielleicht, wenigstens in gewisser An¬ 
näherung, bei bestimmten seltenen Menschen doch der 
Fall sein? Diese Frage bringt uns nun auf ganz grundsätz¬ 
liche, obschon nicht gerade „normale“ Dinge in Sachen 
des Wissens, und sie bringt uns auch auf eine noch nicht 
erörterte, heute wieder von vielen in großer Schärfe als 
bestehend behauptete Wissensform: die Vorahnung oder 
Prophetie. 
Es ist, zumal nach den Untersuchungen Ostys, nicht 
mehr möglich, die Tatsächlichkeit der Prophetie zu leug¬ 
nen. Ihr Vorkommen aber verbindet sich meist mit an¬ 
derem übemormalen Wissen, welches mehr als das übliche 
Gedankenlesen und Hellsehen sozusagen kleinen Stiles ist. 
Der Metagnom, wie die französischen Forscher den mit 
übemormalen Fähigkeiten höchsten Ranges begabten 
Menschen nennen, der Metagnom kennt oft von einem 
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