Full text : Flurnamen von Schiffweiler

ter  sagt,  es  gäbe  wirklich  solche  Gespenster",  bekräftigt  der
jüngere  Willi  die  Erzählungen  seines  Bruders,  "Meine  Tante  erzählte,
  sie  habe  in  einer  der  letzten  Nächte  einen  kohlschwarzen
  Mann  vor  ihrem  Fenster  gesehen",  spinnt  ein  anderer  den  Fa
den  weiter.  "Pah",  meinte  da  der  Willibald,  der  Ostern  aus  der
Schule  kommt,  "der  Lehrer  Stenger  hat  uns  erzählt,  es  gäbe  gar
keine  Hexen  und  Geister,  die  alten  Frauen  würden  sich  alle  diese
  Geschichten  einbilden".
Als  dann  der  Mond  hinter  dem  Wald  verschwand,  und  der  Wind  an
den  Aesten  zu  rütteln  begann,  standencdie  Buben  auf  und  gingen
quer  übers  Feld  dem  Dorfe  zu.  Der  Wind  fuhr  immer  heftiger
durch  die  noch  kahlen  Bäume.
"Dort,  guck,  am  Wald  der  weisse  Geist','  schrie  jetzt  der  Willibald
  und  wurde  kreideweiss  im  Gesicht.  Die  Buben  drehten  sich
um  und  erschauerten.  Eine  lichtweisse  Gestalt  hob  sich  von  dem
dunklen  Hintergrund  des  Waldes  ab  und  machte  immer  wieder  eine
wackelnde  Bewegung  nach  den  Buben  hin.  Die  sahen  das  Gespenst
und  sich  gegenseitig  an,  und  als  es  sich  immer  heftiger  zu  bewegen
  begann,  liefen  sie  davon.  Am  Feldweg  machten  sie  Halt,
und  als  sie  den  Geist  nun  still  am  Waldrand  sahen,  rafften  sie
Wacken  und  Steine  auf  und  liefen  zurück  an  den  Wald,  Dort  stell
ten  sie  sich  auf,und  ein  Hagel  von  Steihen  ergoss  sich  nun  über
die  lichtweisse  Gestalt.  Jedesmal  aber,  wenn  sie  sich  reckte
und  nach  vorne  bewegte,  liefen  die  Buben  ein  Stück  davon,  um
ihren  Angriff  von  neuem  in  Bewegung  zu  setzen.  Als  ihnen  die
Steine  ausgingen,  da  warfen  sie  ihre  Speere  und  Stöcke  dagegen
Da  heulte  der  Sturm  durch  die  kahlen  Kronen  der  Bäume,  und  die
weisse  Gestalt  schnellte  sprunghaft  vor,und  es  schien,  als  ob
sie  die  Armen  ausgebreitet  hätte*  Die  Buben  schrien  laut  auf
und  liefen,  ohne  sich  noch  einmal  umzusehen,  ins  Dorf  zurück.
Am  nächsten  Morgen  meldete  Willibalds  Mutter  dem  Lehrer,  ihr
Sohn  sei  erkrankt  und  leide  an  hohem  Fieber.  Die  andern  aber
rafften  am  Nachmittag  die  Steine  aus  der  Wiese  am  Wald}  und
            
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