Full text : Flurnamen von Schiffweiler

Der  weisse  Geist

Es  war  einer  von  jenen  Abenden,  wie  sie  im  April  nicht
selten  sind.  Der  Wind  pfiff  um  die  Hausecken,  rüttelte  an  den
Fensterläden,  die  schief  und  ausgeleiert  in  den  Angeln  hingen
  und  peitschte  den  Regen  klatschend  gegen  zwei  matt  erleuchtete
  Fenster.  Dahinter  hockten  die  Menschen  um  den  heissen
  Ofen,  der  neben  der  behaglichen  Wärme  auch  einen  angenehmen
  Duft  von  brennenden  Kiefernscheiten  verströmte.  Die
Frauen  wanden  um  die  blanken  Stahlstengel  die  engen  Maschen
ihres  Strickwerks,  und  die  Männer  sogen  schmatzend  an  ihren
kurzen  irdenen  Pfeifen.  Auf  der  Fussbank  aber  sassen  zwei  Buben
  von  11  und  12  Jahren  mit  hochroten  Gesichtern  und  gespitz
ten  Ohren;  denn  die  Alten  erzählten,  erzählten  von  allem,  was
ein  Bubenherz  gefangen  hält.  Schauermähren  wussten  sie  von
Teufeln  mit  spitzen  Hüten,  Knebelbärten  und  Pferdefüssen,  von
Hexen  mit  glotzenden  Augen,  Hakennasen  und  langen  weissen  Gewändern.Von
  einem  weissen  Geist  erzählte  der  alte  Algehannes,
der  ihm  in  den  besten  Mannesjahren  in  der  Bauernhieck  erschie
nen  sei.  MIns  Bett",  rief  jetzt  Mutter  Anna  ihren  beiden  halb
wüchsigen  Söhnen  zu.  Die  rieben  sich  gähnend  die  Augen,  drück
ten  sich  noch  eine  Weile  in  der  Stube  herum  und  verschwanden
dann  in  der  Kammer.  Bald  lagen  sie  tief  in  den  Kissen  und  „
träumten  von  Hexen  Geistern  und  Teufeln.  Am  nächsten  Abend  bei
Einbruch  der  Dunkelheit  trieben  sich  einige  Buben  im  Wald  her
um.  Sie  schnitten  hohe  Birkenruten  und  Haselgerten  und  suchten
die  Bäume  bereits  nach  den  ersten  Maikäfern  ab.  Dann  traten
sie  aus  dem  Wald  und  warfen  ihre  Speere  über  die  Wiese.  Sie
setzten  sich  auf  einen  Erdhügel,  fertigten  aus  der  weichen  Bir
kenrinde  Hupen,  schnitten  Pfeifen  und  der  zwölfjährige  Engelbert
  der  Enkel  des  alten  Algehannes  erzählte  von  dem  weissen
Geist  in  der  Bauernheck,  von  Hexen  und  Teufeln.  MMein  Grossva¬
            
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