Full text : Flurnamen von Schiffweiler

Die  Verräteresche

Die  drei  Mädchen  sassen  schon  eine  ganze  Weile  unter
dem  alten,  knorrigen  Eichenbaum  seitwärts  am  Hang.Den  ganzen
Nachmittag  hatten  sie  im  Wald  auf  den  Knien  gehockt  und  mit
den  Sicheln  Gras  geschnitten.  Die  Säcke  waren  prall  gestopft.
Jetzt  lagen  die  drei  auf  dem  Rücken,  schwatzten,  lachten  und
schauten  in  den  blauen  Himmel.  Nicht  lange  lagen  sie  so;  da
richteten  sie  sich  auf,  lauschten,  sahen  sich  an  und  lauschten
wieder.  Ein  Aechzen  und  Stöhnen  drang  aus  dem  Laubwerk  des
Baumes  aus  dem  Stamm  und  aus  der  Wurzel,  Je  länger  sie  lausch
ten,  desto  lauter  wurde  das  Rufen.  Die  Mädchen  wurden  bleich,
und  weil  sie  schon  oft  die  Schauernähren  der  Alten  mit  angehört
  hatten  und  um  Hexen  und  Geister  wussten,  und  es  jetzt  ge
radezu  aus  dem  Baum  nach  Hilfe  und  Rettung  schrie,  da  Hessen
sie  Säcke  und  Sicheln  liegen  und  liefen  durch  die  Eisenhumes
davon.  Sie  kamen  in  die  Maibrunnerswies,  und  als  sie  die  Basch
de  Bas  Lies  auf  dem  Eeldchen  sahen,  machten  sie  Halt.  Die  sah
die  Mädchen  mit  den  hochroten  Gesichtern  und  den  zerzausten
Haaren  und  weil  sie  sich  jetzt  am  Gartenzaun  hielten  und  verschnauften
  stutzte  die  alte  Brau:"Was  lauft  ihr  so  ihr  dorigen
Gänse"?  Hastig  mit  pochendem  Herzen  erzählten  die  Mädchen  ihr
Erlebnis  aus  dem  Wald?Ach,  ihr  armen  Dinger?  meinte  da  die  Bas
Lies,  "also  auch  euch  hat  er  gerufen".  Weil  aber  die  Mädchen
sie  nun  gespannt  und  verwundert  ansahen,  erzählte  sie  ihnen  die
Geschichte  von  der  Verräteresche;  "  Es  war  im  dreissigjährigen
Krieg,  Eine  versprengte  Söldnerbande-Kroaten  waren  es-  war
mordend  und  plündernd  bis  nach  Sulzbach  gekommen.  Weil  aber  die
Schiffweiler  Männer  herausgebracht  hatten,  dass  sie  sich  über
Elversberg  und  Bildstock  Schiffweiler  zukehrten,  da  räumten  sie
Haus  und  Stall  und  zogen  mit  Hab  und  Gut  ins  Kobenwäldchen.
            
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