Full text: Beiträge zur älteren Geschichte des Eisenhüttenwesens im Saargebiete

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gesetzt“ oder überhaupt daran eine Arbeit von mehr als 100 Thlrn. Kosten erforderlich wird, den 
dritten Theil davon zu zahlen. 
Den Beständern wird gestattet, „in hiesigem Ambt (Herrschaft Ottweiler) ahn orten und enden, 
da es ihnen beliebig, Ertz zu suchen und einzuschlagen“, sie müssen das letztere aber „nach Berg- 
wercks Manier nach einander Und nicht auf den raub graben lassen“, auch den etwa dabei angerichteten 
Schaden ersetzen, dürfen übrigens die gewonnenen Erze auch nur für die Neunkirchener Schmelze 
verwenden. Der Bedarf an Kohlholz wird ihnen aus den herrschaftlichen Wäldern kostenlos ange¬ 
wiesen. Mit dem von ihnen dargestellten Eisen sollen sie „freyen Handel und Wandel haben, solches 
in und außer landes zu verkauften, zu verhandeln und gegen andere Wahren zu vertauschen“, für die 
Herrschaft Ottweiler wird ihnen sogar ein Eisenmonopol bewilligt und zu ihren Gunsten die Einfuhr 
fremden Eisens verboten. Herkömmlicher Weise ertheilt der Graf außerdem ihnen und ihren Arbeitern 
eine Reihe besonderer Freiheiten und Vorrechte*). Die Gegenleistung der Beständer ist festgesetzt 
auf jährlich 450 Gulden Hüttenzins und 12 Ctr. Eisen in natura, sowie bei Mehrbedarf des Grafen 
„den Centner 1 Ortsgulden unter dem gemeinen Preis.“ 
Dieser Vertrag ist mehrfach erneuert worden, jedoch unter wesentlicher Erhöhung der Pacht. 
Nach einem im Jahre 1728 an die Fürstin Charlotfe Amalie von Nassau - Usingen über die „Hütten- 
und Bergwerks-Sachen in den überrheinischen Landen“, erstatteten Berichte war um diese Zeit das 
Neunkirchener Eisenwerk das „considerabelste von allen Hüttenwerken in den diesseits Rheinischen 
Landen, sowohl wegen der guten Lage, als dem Eisenstein.“ Es bestand in einer Schmelze, einem 
großen, sowie einem kleinen Hammer und trug einen Zins von 1000 Gulden, wobei allerdings seitens 
der herrschaftlichen Verwaltung jährlich 5 000 und mehr Klafter Holz unentgeldlich geliefert werden 
, mußten. Der Bericht macht zwar den Vorschlag, das Werk wieder auf eigene Rechnung zu be¬ 
treiben, indessen scheint dies nicht zur Ausführung gekommen zu sein, wenigstens wird Joh. Georg 
Koch noch bis zum Jahre 1748 als „Hofbeständer“ der Eisenhütte zu Neunkirchen aufgeführt**). 
Mit dem 20. August 1748 übernahmen Thomas von Stockum u. Söhne zu Frankfurt a. M. 
das Werk „nebst dem neu erbaüten Stahl Hapimer“ in 16jährigen „Temporal Bestand“. Ein In- 
ventarium vom 18. September 1748 führt als einzelne Theile des Werkes auf: 1. die „Schmeltz“ mit 
1 Ofen und 2 alten Bälgen, 2. den großen Eisenhammer mit 2 Läuteröfen, 1 Rennfeuer und 3 Paar 
Blasbälgen, 3. den kleinen Hammer mit 1 doppelten Balg, 4. den Stahlhammer (später in einen 
zweiten großen Hammer umgewandelt) mit 2 Blasbälgen, 5. das Formhaus, 6. die große Kohlen- 
' scheuer, 7. die Schlackenpoche und Erzwäsche (mit eisernen Platten), endlich 8. eine Anzahl Wohnhäuser. 
Der v\im Fürsten Wilhelm Heinrich Unterzeichnete Bestandsbrief vom 18. December 1748 er¬ 
mächtigt die Pächter, „den nöthigen und diensamen Eissenstein in denen Waldungen und sonsten 
wie bishero durch die Unterthanen nach der bißherigen Ordnung suchen zu lassen“ ; sie sollen aber 
die Gruben wieder zuwerfen und etwaigen Schaden vergüten, auch einen besonderen Aufseher oder 
Bergsteiger halten. Zum Betriebe des Stahlhammers und zum Ausschmieden des Kleineisens wird 
ihnen gestattet, sich unweit Neunkirchen auf ihre Kosten Steinkohlen zu „brechen“. Andererseits 
haben sie jährlich 5 000 Klafter Holz zum Preise von 4 000 Gulden Reichsgeld (1 Klafter zu 24 Albus 
„ohne die gewöhnliche Forstgebühr*) nebst 10 Procent freie „Eingabe“ zu beanspruchen, welches 
sämmtliche Holz sie aber auf ihre Kosten fällen müssen. Ais „Canon“ sind jährlich 3 500 Gld. zu 
*) So insbesondere Personalfreiheit und Befreiung von allen herrschaftlichen Lasten, freie Religionsausübung, 
ferner das Recht des "Wein-, Bier- und Branntweinschanks auf dem Werke, sowie des freien Verkaufes von Krämer- 
waaren und Früchten an Gesinde und Arbeiter, das Recht des Vergleiches von Streitigkeiten unter den Arbeitern u. s. w. 
Diese Vorrechte wiederholen sich in allen späteren derartigen Bestandsbriefen, zum Theil sogar noch in ausge¬ 
dehnterem Umfange. 
**) Koch war auch betheiligt an dem Erbbestande der Gräfenbacher Hütte (im Kreise Kreuznach) vom 2. Juni 
1712, bei welchem Werke im Jahre 1741 die Gebrüder Stumm als Theilnehmer eintraten. (W. Dunker, Bergrevier 
Coblenz n, S. 65.) 
Sonder-Abdruck aus der Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinen-Wesen XLIV. x 2
	        
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