Full text: Unter den Brücken der Metaphysik

Rendite bestimmt. Was können wir mit unseren Kenntnissen an¬ 
fangen? Sind sie für uns von Nutzen? Verweilen wir nicht bei 
dem, was ist, wir können es nicht erfassen. Und auch wenn wir 
es erkennen könnten, es ist nicht das, wonach wir suchen müssen. 
Ein Ding hat keine Existenz; es stellt einen Wert dar. Und dem 
Menschen, der von ihm Besitz ergriffen hat, kommt es zu, seinen 
Preis zu bestimmen. 
Der Geist des Besitzes ist es, der die Enzyklopädie essentiell vom 
orhis pictus unterscheidet, in dem vordem die Reisenden der Renais¬ 
sance aufzeichneten, was sie an Merkwürdigkeiten auf ihren Wan¬ 
derzügen gesehen hatten. Sie hatten ihrerseits noch nicht die 
essentielle Unterscheidung zwischen dem Menschen, der besitzt und 
dem besessenen Ding getroffen, zwischen dem Verständnis und 
den Gegenständen unserer Schau. Der Mensch lebte mit dem glei¬ 
chen Recht in dieser Welt, wie alles, was sich in ihr befindet; eines 
unter anderen Wesen, er selbst Gegenstand seiner eigenen Wi߬ 
begier. 
So hatte er auch noch keinen Ort gefunden, wo er sich ausruhen 
könnte in diesem Universum, dessen grenzenlose Vielfalt ihn fes¬ 
selte, ein Zuhause, das ihm erlauben würde, sich als Herr an dem 
zu ergötzen, was er im Lauf seiner Entdeckungen eingesammelt 
hatte. Er war ein Abenteurer geblieben, ein Landstreicher ohne 
Eigentum. Er hatte noch nicht das Bürgerrecht in einem Land er¬ 
worben, in dem er noch nicht heimisch geworden war. Er begnügte 
sich damit zu betrachten, was er während seiner Reise gefunden 
hatte, und aufzuzeichnen, was er an Geschehnissen gesehen hatte. 
Manchmal freilich lag ihm daran, mit heimzubringen, was er an 
besonders Merkwürdigem gesehen hatte, aber er besaß nicht, was 
er aufgesammelt hatte, oder besaß es doch nur halb, da er die 
Gesetze des wissenschaftlichen Verfahrens nicht kannte. So war er 
noch nicht in der Lage zu sagen: »Unser Wissen«. Seine Wißbegier 
genügte ihm, ohne daß er einen Anspruch auf das hätte geltend 
machen können, was vor seinen Augen vorbeizog. Er war es zu¬ 
frieden, die Vielfältigkeit der Dinge zu betrachten und seltsame 
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