Full text: Relativitätstheorie und Philosophie

son's „normal“ deutet, Licht im „ mitg ef ühr ten Äther“ 
oder, kurz, Erdenlicht. Das aber bewegt sich nach Michel- 
son für ein zur Erde ruhendes System auf der Erde natür¬ 
lich mit c- 
Ich will diesen Punkt, der mir besonders wichtig er¬ 
scheint, noch durch ein Beispiel erläutern: Ein Schuß ist 
irgendwo gefallen; ein langer geschlossener Wagen bewegt 
sich dem Entstehungsort des Knalles entgegen mit v. Die 
Geschwindigkeit von Knall zu Wagen ist 340 -+- Sowie 
aber das Wellensystem, das physikalisch den Knall dar¬ 
stellt, in die Luft des langen Wagens, der ja von ihm 
„mitgeführt“ wird, eingedrungen ist, bewegt es sich mit 
der Geschwindigkeit 340 und nicht mehr mit 340 ■+■ v> 
Zu einem im Wagen mit der Geschwindigkeit w sich Be¬ 
wegenden freilich bewegt es sich mit 340 ifc w, aber das 
ist etwas anderes. Und ebenso, wenn sich der Wagen 
vom Knallort fortbewegt: dann ist die Geschwindigkeit des 
Wellensystems zum Wagen zuerst 340 — v und wird später, 
kurz gesagt: als „Wagensystem", — 340, also größer. 
Ganz ebenso muß es, wenn Michelson's Ergebnis richtig 
ist, mit dem Licht eines Fixsterns sein. Nur Erd-licht 
können wir untersuchen, nie Weltraum-licht. 
Alle Weltraumlicht-Aussagen sind also fiktiv. Man 
kann in Bezug auf sie also auch nie „widerlegt“ werden. 
Aber es dürfte doch wohl besser sein, den Weltraumsystemen 
in Bezug auf das Wesen des Weltraumlichts nicht gar zu 
große Paradoxien, wie z. B. die „Kontraktions“-lehre eine 
ist, zuzumuten. Gerade „Positivisten“ sollten das am 
allerwenigsten tun! 
So bleibt denn also von der speziellen Relativitäts¬ 
theorie nur der an und für sich gewiß bedeutsame Nach¬ 
weis gewisser praktischer Unbestimmbarkeiten übrig. 
Das ist ganz und gar nichts „Weltanschauliches“, sondern 
Allzumenschliches. Durch sachliche oder logische Para¬ 
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