Full text: Relativitätstheorie und Philosophie

Beide geben eines Tages ein Lichtsignal um 12 Uhr mittags 
ab; wenn dann die Station A das Lichtsignal von B, die 
Station Z?das Lichtsignal von A genau um 12 Uhr 1f2 Sekunde 
empfängt, ist doch wohl nachgewiesen, daß die Uhren in A 
und in B noch immer gleich gehen; denn lj2 Sekunde 
braucht ja das Licht, um den 150000 Kilometer langen 
Weg von A nach B, beziehungsweise von B nach A 
zurückzulegen? 
Alles scheint in Ordnung zu sein, und ist doch nicht 
in Ordnung, und zwar aus folgendem Grunde: 
Man sah im Licht die Fortpflanzung elektromagnetischer 
Schwingungen des sogenannten Äthers. Wie nun steht es 
mit der Beziehung der fingierten Erdscheibe zum Äther? 
Ruhen beide „relativ“ zueinander oder sind sie zueinander 
in relativer Bewegung? Nur, wenn das erste der 
Fall ist, haben offenbar die Uhrvergleichungen 
zwischen den Stationen A und B einen klaren 
Sinn. Denn wenn sich die Erdscheibe in Bezug auf den 
Äther bewegen würde, etwa in der Richtung von A nach 
B, also derart, daß A einmal an den Ätherort gelangt, 
an welchem B früher gewesen ist, so würde offenbar das 
Lichtsignal, welches die Station A um 12 Uhr abgibt, die 
Station B später erreichen, als das von der Station B 
abgegebene Signal die Station A erreicht. Das A-Signal 
hätte ja einen größeren Weg zurückzulegen, die ü?-Station 
flieht gleichsam vor ihm, während die .¿4-Station dem 
.¿¿-Signal aktiv entgegenkommt. Die Beobachter auf A 
und auf B würden sich also täuschen, wenn sie ihre Uhren 
noch für richtiggehend halten, weil das Lichtsignal der 
fremden Station von beiden um 12 Uhr 1/2 Sekunde wahr¬ 
genommen wird. Aus diesen identischen Beobachtungen 
muß für einen, der um den „wirklichen“ Sachverhalt weiß, 
gerade das Falschgehen der Uhren folgen: A hätte das 
Z?-Signal früher, .¿¿das ^4-Signal später als 12 Uhr Sekunde 
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