Full text: Philosophische Gegenwartsfragen

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Intuition und Positivismus. 
Um die mögliche wechselseitige Durchdringung un¬ 
serer drei Bedeutungen des Wortes „irrational“, also: „ge- 
geben“, „nicht-planmäßig“, „nicht-bewußt-planmäßig“, 
noch einmal recht deutlich zu zeigen, fassen wir zusam¬ 
men : 
Im Sinne des Gegebenen hat alles Empirische „ir¬ 
rationale“ Züge, denn nicht nur sein hic et nunc ist ge¬ 
geben, sondern auch, falls irgendwo Gesetze erfaßt sind, 
der Umstand, daß gerade diese Gesetze „Gesetze“ sind. 
Im Sinne des Nicht-Plan - oder Nicht -Ganzheits ¬ 
bezogenen ist alles das im Empirischen „irrational“, was 
bloß summenhaft ist. 
Im Sinne des Nicht-bewußt-Planmäßigen ist „ir¬ 
rational“, was, an Menschenhandlungen, eben nicht be¬ 
wußt „geplant“ ist und doch „getan“ wird, mag es, im 
zweiten Sinne des Wortes, auch „rational“, also etwa vital- 
regulatorisch, sein. 
Oder kurz, mit anderen Worten: 
Alles Empirische hat „irrationale Züge“ als Gegebenes; 
einiges Empirische, nämlich das unbelebte und „geschicht¬ 
liche“ Geschehen, ist dazu noch, soweit wir heute wissen, 
„irrational“ als nicht-planmäßiges; im Rahmen des 
menschlichen Geschehens ist, im dritten Sinne des 
Wortes, „irrational“, was zwar vielleicht planmäßig, aber 
jedenfalls nicht bewußt-geplant ist. — 
Um nun wieder ins Allgemeine zu gehen und zugleich 
an schon früher (S. 30) Gesagtes anzuknüpfen, so haben 
wir ja meine Welt als eine unter unzähligen „möglichen“ 
Welten bezeichnet. „Möglich“ nämlich ist jedes mit Jetzt- 
So-Hier-Daten erfüllte Ordnungsgebilde, welches sich „er¬ 
sinnen“ läßt, also jedes Märchen, jede Sage, sobald nur 
das logische Possibile, d. h. die Widerspruchslosigkeit, 
nicht verletzt wird.
	        
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