Full text: Philosophische Gegenwartsfragen

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Intuition and Positivismus. 
Etwas Neues tritt in den rationalen Positivismus der 
Naturwissenschaft ein, sobald sich Ordnungstypen im 
Rahmen der gemeinten Wirklichkeit als existent erweisen, 
die analogienhaft mit Begriffen aus der Lehre vom see¬ 
lischen Geschehen beschreibbar sind, wie das im Biolo¬ 
gischen der Fall ist. Da wird Seelen-Positivismus auf das 
Blatt des Naturpositivismus überschrieben, wenn auch 
nur per analogiam. 
Der Ur-Positivismus, auf die unmittelbaren Erleb- 
nisdata gegründet, war ja gerade der zur psychischen Ge¬ 
setzlichkeit führende; seine Ergebnisse werden deshalb 
jetzt analogienhaft im Naturbereich verwertet, weil so 
wenigstens etwas an „Verständnis“ herauskommt. Frei¬ 
lich muß saubere Arbeit sich stets bewußt bleiben, was 
sie hier eigentlich tut und daß sie es nur analogienhaft tut. 
Den rationalen Positivismus vertreten heißt, das Schiff 
hindurchsteuern zwischen der Szylla des falschen Po¬ 
sitivismus, welcher Feststellbarkeit mit (empirischem) 
Sein verwechselt und sich dazu wohl noch gar dogmatisch¬ 
mechanistisch festlegt, und der Charybdis der modernsten 
Phänomenologie und „Geistesphilosophie“, die im Grun¬ 
de nur gefühlsartige Bewußtseinszustände populär be¬ 
schreibt, aber metaphysische Ansprüche höchster Art 
ohne jede Begründung macht. 
Der rationale Positivist hat also stets einen Kampf 
gegen zwei Fronten zu führen, wenn er auch mit den Phä- 
nomenologen gegen den mechanischen Dogmatismus, mit 
der seiner Ansicht nach falschen Form des Positivismus 
gegen die neuesten Phänomenologen steht. 
Der Begriff des „als gleichsam selbständig daseiend 
Meinen“, der zur Natur führt, ist, soweit Naturtheorie 
in Frage steht, die eigentliche Grundlage des echten ratio¬ 
nalen Positivismus. Die Phänomenologen, selbst Husserl
	        
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