Full text: Philosophische Gegenwartsfragen

Rationaler Positivismus. 
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euklidischen Raum, eine Zeit, Gleichzeitigkeit, Bestimmt¬ 
heit im empirischen Sinne des Wortes „gibt“, das war 
mit jener ordnungshaften Mr-Setzung, die zu dem Begriff 
Natur geführt hat, zugleich gesagt, und kann nie wieder 
zurückgenommen werden. 
Planck hat diesen Sachverhalt klar gesehen; wer aber 
glaubt, zunächst einmal Natur setzen zu dürfen, dann 
aber im Yerlaufe seiner Arbeit „Sein“ mit „Bestimmbar¬ 
sein“ gleichsetzen zu können, der geht fehlerhaft vor: 
Den ganz radikalen Ur-Positivismus, der nur Erlebtes 
kannte, hat er ja abgestreift, indem er von (gleichsam selb¬ 
ständig) Seienden überhaupt redete, und nun will er ihn wie¬ 
der einführen: die von ihm selbst gesetzten Schranken, die 
in dem Begriff Natur liegen, lassen das gerade nicht zu. 
Positivismus im naturwissenschaftlichen Sinne, also 
„objektivierter“ Positivismus, heißt also: alles auf die 
das Gemeinte angehenden Daten gründen, nachdem 
das „Meinen“ einmal vollzogen ist, so daß diese Daten 
selbst schon als etwas (als gleichsam selbständig) „mei¬ 
nend“ angesehen werden. Rationaler Positivismus heißt: 
in der Gesamtheit dieser so angesehenen Daten Ord¬ 
nungszüge erfassen, wobei die in dem Begriff des „Ge¬ 
meinten“ bereits mitgesetzten Typen an Ordnung (Gleich¬ 
zeitigkeit, Bestimmtheit usw.) stets mit in den Kauf zu 
nehmen sind, also nie verletzt werden dürfen. 
Dogmatisch wird der Positivismus, wenn er von vorn¬ 
herein zu wissen glaubt, was für einen Ordnungstypus, 
zumal des Geschehens, es allein geben „könne“. Der nicht 
undogmatische rationale naturwissenschaftliche Positivis¬ 
mus weiß das nicht „von vornherein“ (— a priori); a pri¬ 
ori weiß er nur das, was im Begriff Natur einmal liegt — 
gerade mit dem aber springen viele der dogmatischen 
Positivisten ganz ad libitum um!
	        
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