Ganzheit „oder“ Kausalität.
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Auf den ersten Blick mag es scheinen, als könne man
die Lehre Spanns und der ihm Geistesverwandten in
folgender Weise auffassen: Ebenso wie die theoretischen
Physiker, wenn sie „Kausalität44 sagen, lediglich funk¬
tionale wechselseitige Determiniertheit meinen, aber
nicht das echte propter hoc im Rahmen des post hoc, so
meinen auch Spann und seine Anhänger mit dem Worte
„Kausalität44 nicht den Begriff des Kausalen in seiner
logischen Reinheit. Aber der Fehler liege jetzt umgekehrt:
die Physiker sagten „Kausalität44 und meinten etwas
Allgemeineres, nämlich eben Funktionalität, die Ver¬
treter des Satzes „Kausalität oder Ganzheit44 verstehen
unter dem ersten dieser Worte etwas wesentlich Speziel¬
leres als den echten Kausalitätsbegriff, nämlich mecha¬
nische Kausalität, im weitesten, nicht etwa nur im
newtonischen Sinne des Wortes, also Kausalität zwischen
letzten Elementen der Materie, fasse man diese, wie
man wolle.
Aber diese Auffassung trifft offenbar nicht, was hier
eigentlich gemeint ist.
Denn es wird uns gesagt, daß für gewisse Geschehnisse
der empirischen Welt der Begriff der Kausalität über¬
hauptversage und durch den der Ganzheit zu ersetzen
sei. Die eine Sphäre der Welt, die unbelebte, soll sich also
kausal, die andere, die belebte in ihren personalen und
überpersonalen Formen soll sieh nur mit Hilfe des Ganz¬
heitsbegriffs, wohlverstanden: ohne den der Kausalität,
fassen lassen.
Es wird nun von denen, die zwischen die Worte „Kau¬
salität44 und „Ganzheit44 das Wort „oder44 setzen, ganz
offensichtlich übersehen, daß alles, was aus irgendeinem
Grunde ganz genannt wird, doch offenbar geworden ist,
also Vorgängen sein jeweiliges Dasein verdankt. Wo
Driesch, Philosophische Gegenwartsfragen.
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